Von der Wandlungsfähigkeit des Menschen: Wie man vom durchgedrehten Schläger zum Vorbild seiner Kinder werden kann.

Boxen ist nicht mein Sport. Boxer entlocken mir selten Sympathien. Gestern gab es in der WELT AM SONNTAG ein Interview mit Mike Tyson. Es war das Foto, das mich in die Geschichte hineingezogen hat: Wie ein Gott einer versunkenen Kultur hält Tyson, kahlgeschoren und mit Ethno-Tatoos im markanten dunkelhäutigen Gesicht, fast zärtlich eine weiße Taube in der Hand – und sieht nicht so aus, als wolle er das Täubchen im nächsten Moment mit Haut und Federn verschlingen. Das käme ihm heute eh nicht mehr in den Sinn. Der einst so angriffslustige Ohr-Abbeißer hat eine Wandlung vom Saulus zum Paulus hingelegt und ist dabei Vegetarier geworden. Warum er auf Tierisches verzichtet, und was das mit der Erziehung seiner Kinder zu tun hat, verdient Respekt:

Welt Online: Sie haben mächtig abgenommen und sehen so aus, als hätten Sie wieder Ihr Wettkampfgewicht aus Ihren Glanzzeiten. Damals wogen Sie etwa 100 Kilo. Tyson: Ich habe über 40 Kilo verloren, nachdem ich vor drei Jahren meine Ernährung radikal umgestellt habe. Ich bin strenger Veganer, ich esse nicht einmal Fisch oder Honig. Welt Online: Wie kamen Sie denn darauf? Tyson: Ich wollte nicht mehr fett sein. In meiner Familie war Fettleibigkeit anscheinend erblich bedingt, denn alle neigten dazu. Ich wollte die Tradition durchbrechen, um auch Vorbild für meine Kinder zu sein. Ich kann denen doch schlecht sagen: Hey, ihr seid zu dick, ihr lebt ungesund, ihr müsst auf eure Figur achten, dafür müsst ihre dies und jenes tun, wenn ich selbst 300 Pfund oder mehr wiege.

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