Vergessen wir die Strafsteuer auf Lebensmittelmüll – der 1. April ist schließlich vorbei. Lebensmittelverschwendung bleibt trotzdem ein Thema: “Nur 60 Prozent der Kartoffeln landen im Laden“, das behauptete dieser Tage der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling. „Der Rest bleibt auf dem Acker oder verschwindet in der Biogasanlage.“  Oder verschwindet ein großer Teil der Kartoffeln vielleicht doch viel eher in den Mülltonnen der Verbraucher?

Neulich beim Kochen mit Freunden: Geplant sind Salzkartöffelchen als klassische Beilage zum leckeren Fisch. S. schält die Bio-Kartoffeln mit sechs Schnitten: Vier an den Seiten, Käppchen oben ab und Käppchen unten ab. Hier noch ein Schnipsel und dort ein Schnapsel – fertig ist der Schälprozess. Noch ein Schnitt längs und einer quer – sonst braucht das Kartöffelchen nichts mehr. Die zentimeterdicken Schalen landen im Biomüll. ‚Großzügig schälen‘ nennt sie das. „Alles andere dauert viel zu lang.“ Zudem, meint sie, kommt man mit dem Sparschäler gar nicht an die tiefen kleinen ‚Dreckstellen‘ ran. Von der Kartoffel ist nach der Aktion noch gut die Hälfte da. Auch das ist Lebensmittelverschwendung im Haushalt – oder? OK – man will sich ja nicht mit anstrengenden Diskussionen den Spaß am gemeinsamen Essen verderben.

Ich denke kurz an die Erzählungen meiner Großmutter über die ‚schlechten‘ Zeiten. Da wurde noch die letzte Kartoffelschale ausgekocht, um dem heißen Wasser mangels anderer Zutaten wenigstens einen Hauch von Geschmack nach Suppe zu geben. Abfall bei der Verarbeitung von Kartoffeln im Haushalt damals 0 Prozent – gegenüber 40 bis 50 Prozent in manchem modernen Haushalt. So ändern sich die Zeiten.

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