Erinnern Sie sich noch an den Vorschlag der Grünen, einmal pro Woche einen verpflichtenden Veggie-Day in deutschen Kantinen einzuführen? Jetzt ist sie vom Tisch, die Gaga-Idee, wie BILD sie nannte, und die Grünen üben sich in der der Kunst der Kurskorrektur. Dies geht – so die BILD  – aus einem Thesen-Entwurf für eine Vorstandsklausur der Partei hervor. Was jemand esse, meint man jetzt bei den Grünen, sei Teil individueller Freiheit und Selbstbestimmung.

Ziemlich genau ein Jahr ist das absurde Sommertheater um den Veggie Day nun her. Der Vorschlag löste einen Sturm öffentlicher Entrüstung aus, kostete die Grünen Sympathien und Wählerstimmen und brachte ihnen den Vorwurf der Verbotspartei. Jetzt, nachdem genug Gras über die Sache gewachsen ist, soll der Veggie Day sang- und klanglos aus dem Programm der Grünen verschwinden. So erklärte Grünen-Vorsitzende Simone Peter in einem Interview mit der BILD: “Es ging uns nie darum, den Deutschen das Fleisch zu verbieten” und ergänzt: “Wir wollen vielmehr mit den Menschen darüber diskutieren, was unsere Ernährungsweise bewirkt.” Was bitte soll dieses Geschwätz denn bringen?

Der Fallrückzieher der Grünen zeugt nicht gerade von politischem Rückgrat, sondern eher von Hilf- und Mutlosigkeit in Fragen der Ernährungs- und Verbraucherpolitik. Schließlich war der – immer als freiwillig gedachte – Veggie-Day ein guter Vorschlag, allerdings strategisch äußerst unklug vorgebracht und missverständlich vorgetragen. Für BILD und Co. war das natürlich ein gefundenes Fressen: ‚Wir lassen uns doch von den Grünen unser Schnitzel nicht verbieten‘. Ein schöneres Thema gibt es kaum um auflagenträchtig zu hetzen. Auf Verbündete aus den Reihen der Öko- und Vegetarierszene hofften die Grünen damals leider auch vergebens. Die Vegetarier erwiesen sich in der Debatte mit den Fleischfressern als kleinlaute, zahnlose Kaninchen – ihre Stimme war gar nicht erst zu hören. Das zeigte auch: Noch können Vegetarier hierzulande gar nichts bewegen.

Dabei stand die Idee des Veggie-Day für eine gute Sache – für einen sinnvollen freiwilligen Verzicht im Sinne von Nachhaltigkeit, Ökologie und gesunder Ernährung, zum Beispiel auch als Zeichen gegen Übergewicht und Diabetes. Der Veggie-Day hätte das Zeug zum Symbol eines Schritts in Richtung selbstbestimmter Teilnahme an Prävention gehabt. Und was erwartet uns stattdessen? Wenn der Veggie-Day Gaga war, dann ist das, was hier und heute wieder zu lesen ist Giga-Gaga: Der Vegie Day ist tot – es lebe die Zucker-Fett-Steuer. Ich hoffe, dass es gegen diesen Unsinn auch einen Sturm der Entrüstung geben wird.

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