Wer das Dicke eindämmen will, braucht mehr Oecotrophologen

Im Interview mit der BILD.de am Freitag fordert der gesundheitspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Prof. Karl Lauterbach, ein konsequenteres Handeln der Politik zur Bekämpfung von Übergewicht: „Hausärzte sollten regelmäßige, gründliche Gewichtsberatungen durchführen und vor den schweren gesundheitlichen Risiken warnen, zu denen Übergewicht führt.” Die Maßnahme würde „viel persönliches Leid und hohe Folgekosten für die Gesellschaft” vermeiden, denn: „Übergewicht greift das Herz an und erhöht die Gefahr, an Bluthochdruck, Zucker, Krebs, Asthma zu erkranken. Übergewichtige werden außerdem im Alter öfter pflegebedürftig.”  Lauterbach fordert, die Mediziner sollten den Zusatzaufwand separat vergütet bekommen. „Es muss eine Pauschalhonorierung geben, die den Mehraufwand abdeckt, damit der Arzt sich wirklich Zeit nimmt.”

Mühleib meint: Lauterbach liegt mit seiner Analyse richtig. Sein Lösungsvorschlag ist dagegen fern jeder Realität. Auch wenn der Zusatzaufwand des Arztes für eine „Gewichtsberatung“ vergütet würde – der Arzt hat nicht die Zeit dazu. Ganz abgesehen davon, dass es Unsinn ist, den Ärzten immer noch mehr aufzubürden. Ernährungsberatung passt nicht auch noch in die Sprechstunde rein. Im Übrigen dürfte den meisten Ärzten das ernährungswissenschaftliche Fachwissen fehlen: Der Anteil der Praktiker mit Zusatzqualifikation Ernährungsmedizin ist verschwindend gering. Dabei gibt es genug Spezialisten: Die Arbeit mit Übergewichtigen und ernährungsabhängig Kranken ist ganz klar der Job einer Berufsgruppe, die vom Gesundheitswesen leider immer noch weitgehend ignoriert wird: Die Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler. Sie verfügen über ein ernährungsphysiologisches Grundwissen, mit dem nur wenige Ärzte mithalten können.

Zertifizierte Oecotrophologen erwerben über den akademischen Abschluss hinaus weitere methodische und fachliche Qualifikationen, die eine wirkungsvolle Betreuung von Patienten mit Übergewicht und ernährungsabhängigen Erkrankunken in Prävention und Therapie garantieren.  Warum werden diese Fachkräfte nicht systematisch eingesetzt und von den Kassen leistungsgerecht finanziert? Das wäre allemal billiger, als beim Ärztehonorar draufzusatteln, zum anderen dürfte die medizinische Effizienz der Oeotrophologen wesentlich besser sein, wenn es um Prävention und (diätetische) Therapie von Übergewicht und ernährungsabhängigen Krankheiten geht.  Mit „Warnungen“ und „Gewichtsberatungen“, wie sie Lauterbach fordert, ist es nämlich nicht getan. Will man hier wirklich Erfolge, geht ohne systematische Ernährungstherapie oder Ernährungsberatung gar nichts.

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