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„Er schaute sich um und sah, dass die Leute diese Speisen mit unbewegtem Gesicht aßen, niemand genoss, was er hier aß. Aber das, was niemand mit Genuss aß, war in enormer Menge verfügbar, und man konnte sich gar nicht vorstellen, wer all diese Nahrung, die sich in den Vitrinen türmte, heute noch essen sollte.“

Gerade gelesen: Linus Reichlin, Schweizer Roman- und Krimiautor (“Sehnsucht der Atome“) mit Lebensmittelpunkt in Berlin, hat einen Roman über Afghanistan, die Taliban geschrieben. Kriegsreporter Moritz Martens gerät durch Liebe und Intrigen in die Fänge der Taliban und teilt als deren Gefangener ihr Leben. Die Geschichte ist recht konstruiert, sprachlich ziemlich oberflächlich und von großer Literatur (die Literaturkritik war teils übervoll des Lobes) weit entfernt. Vorteil: Liest sich leicht und schnell – und vermittelt eindrückliche Impressionen von diesem harten Land und der extremen Lebenssituation der Partisanen. Martens ist von Hause aus Genießer, und während der Gefangenschaft träumt er in seinen Hungerphantasien immer wieder vom guten Essen. Nach Befreiung und Rückkehr in die Wohlstandsgesellschaft reflektiert er die Selbstverständlichkeit, mit der wir der permanenten Verfügbarkeit von Essen und Trinken begegnen.

Fortsetzung des obigen Zitats: „ Und wenn in der Küche des Selbstbedienungsrestaurants auch Roborter zu kochen schienen, die die Speisen mit ihren Robotergaumen abschmeckten, so wurde hier doch niemand beschossen, während er sein fades Schnitzel aß. Es gab Nahrung im Überfluss, und eine Heizung spendete Wärme. Niemand musste befürchten, von einem Feind überfallen zu werden, man war in Sicherheit und nicht nur im Selbstbedienungsrestaurant.“

Was bleibt von der Lektüre? Sie vermittelt das Gefühl, die brutalen Bedingungen, unter denen die Menschen in Afghanistan leben, besser zu verstehen – ich sehe seitdem Newsclips zum aktuellen Geschehen  mit anderen Augen.

Linus Reichlin, Das Leuchten in der Ferne, KiWi Taschenbuch, Köln, September 2014, 304 Seiten, ISBN-13: 978-3462046830, EUR 9,99

Ohne Literatur wäre mein Leben ärmer. Fast jeder Roman streift das Thema Essen und Trinken. Auf diese Streiflichter in meinem Lesefutter nehme ich auf tellerrand gerne hier und da Bezug.

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