Ich bewundere Uwe Knop. Uwe Knop ist Ernährungswissenschaftler, arbeitet in einer PR-Agentur und hat „das erste Buch zur kulinarischen Körperintelligenz“ geschrieben – Titel des Buches: „Hunger & Lust“. Ich bewundere Herrn Knop allerdings nicht etwa für seine merkwürdigen Inhalte und Thesen – sondern allenfalls für die Hartnäckigkeit, mit der er seinen Unsinn von der Bauchintelligenz nachhaltig erfolgreich vermarktet. Mit der Penetranz eines Terriers traktiert er dieser Tage wieder einmal – bereits in fünfter oder sechster Welle – den Meinungsmarkt mit Pressearbeit für sein Werk. Nicht umsonst hat sein unbedeutendes Opus inzwischen eine bedeutsame Auflage erreicht. Seit vielen Wochen gehört es zu den Beststellern bei Books on Demand. In der Bewerbung des Buches nutzt „David“ Knop geschickt (oder besser: schamlos?) die Schwäche der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die ihm als bisher handlungsunfähiger Goliath gegenübersteht.

Mit seiner aktuellen Pressemeldung führt Knop die DGE aufs Neue vor, indem er ein Zitat einer DGE-Sprecherin vom Februar 2010 im Reutlinger Generalanzeiger nun zum wiederholten Male als Zustimmung für seine Theorie vereinnahmt. Er tut das gegen den ausdrücklichen Wunsch und  Willen der DGE. Bereits damals forderte die DGE Knop durch ihren Geschäftsführer Dr. Helmut Oberritter auf, diese Art der Interpretation des Zitates zu unterlassen (siehe dazu diese Quelle). Erfolglos – wie man sieht: Knop zieht die DGE als Gralshüterin des Ernährungswissens mit seinem aktuellen Interview (das man seitens der DGE in dieser Form vielleicht besser verweigert hätte) weiter  am Nasenring durch die Manege, ohne dass die sich nachhaltig gegen seine (hinter-)listigen Attacken wehrt. So benutzt Knop die DGE ungehemmt weiter als Punchingball, um die Auflage seines Buches hochzuboxen.

Tatsächlich wird man Herrn Knop mit Unterlassungsklagen oder anderen rechtlichen Händeln kaum beikommen. Stattdessen wäre ein deutliches Wort zu seinen abstrusen Thesen angesagt. Hier fehlt ein klares inhaltliches Statement der DGE! Ein Statement, das den Knop’schen Unsinn von kulinarischer Körperintelligenz, vorausschauendem Hunger und anderen Merkwürdigkeiten auf der Basis von Fakten entkräftet und zurecht rückt. Die vereinte Kopfintelligenz der DGE sollte doch wohl dazu in der Lage sein, Knops Gerede von der kulinarischen Körperintelligenz und „der schleichenden Entkoppelung der Ernährung von den instinktiven Emotionen, die über Hunger und Lust die optimale Versorgung mit Nährstoffen steuern,“ als Schwachsinn zu entlarven.

Hier muss das  DGE-Präsidium – reich an wissenschaftlichen Koryphäen – Farbe bekennen und Haltung zeigen. Die neue Aufmerksamkeit, die Knop durch seine Penetranz provoziert und die er durch eine Stellungnahme erhalten wird, verdient er zwar nicht. So lange sich das Buch verkauft, wird Knop allerdings  immer wieder angreifen  – und damit die zunächst sogar ganz angebrachte DGE-Strategie des „Aussitzens und in Vergessenheit geraten Lassens“ ad absurdum führen.  Einige von Knops Empfehlungen grenzen an Aufforderung zur Körperverletzung – Verletzung des eigenen Körpers wohlgemerkt. Es ist an der Zeit, dass die DGE qua ihres Amtes dieser versuchten Volksverdummung einen fundierten Standpunkt entgegensetzt!

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