„UNO warnt vor Auswirkungen von Junk Food“ so lautet die Headline einer Meldung, die die Nachrichtenagentur AFP am 04. Juni verbreitet hat. Weiter heißt es da: „Die Vereinten Nationen haben vor den Auswirkungen von Fehlernährung und Übergewicht auf die Weltwirtschaft gewarnt. Aufgrund von Arbeitsausfällen und Behandlungskosten wegen des Verzehrs von Junk-Food verliere die Weltwirtschaft jährlich rund 1,1 Billionen Euro, erklärte die UN-Ernährungsorganisation (FAO) bei der Vorstellung ihres Jahresberichts.” Wie üblich im Nachrichtengeschäft, haben viele Print- und Online-Medien diese Meldung unverändert abgedruckt.

Hat die FAO das wirklich so erklärt? So einen Schwachsinn – deucht mir – kann nicht einmal die FAO verzapfen. Tatsächlich: Im FAO-Originalbericht ist von Junk Food nirgends die Rede, und schnell wird klar: Wenn überhaupt etwas Junk Food ist, dann die Kategorie des Jouranlimus, in die diese Meldung fällt. In der Executive Summary des FAO – Berichtes „The State of Food and Agriculture 2013“ sucht man nach den Begriffen Junk Food und Fast Food vergebens. Die Rede ist von den Gefahren und Kosten des Übergewichtes: „Although no global estimates of the economic costs of overweight and obesity exist, the cumulative cost of all non-communicable diseases, for which overweight and obesity are leading risk factors, were estimated to be about US$1.4 trillion in 2010.”  Der Junk Food-Begriff  muss im Zusammenhang mit dem Bericht also der Fantasie des Autors der Pressemeldung entsprungen sein. Auch auf der  Startseite zur Ankündigung des Berichtes findet sich kein Hinweis auf Junk Food. Hier wird von ‘Malnutrition’ – Fehlernährung in verschiedenstere Form – als Ursache des Übels gesprochen: “Malnutrition in all its forms – undernutrition, micronutrient deficiencies, and overweight and obesity – imposes unacceptably high economic and social costs on countries at all income levels. Improving nutrition and reducing these costs requires a multisectoral approach that begins with food and agriculture and includes complementary interventions in public health and education.”

So ist die AFP-Meldung nur ein Beispiel unter vielen für dahingehudelten, schlecht recherchierten Junk Food Journalismus. Das darf nicht sein. Wie häufig stoßen wir wohl auf die Ergebnisse solch schludriger Berichterstattung, die Vorurteile prägt und befestigt? Der Leser speichert das sofort in der eh schon gut gefüllten Schublade: „Junk Food – Drecksfraß als neue Geisel der Menschheit“ ab. Auch wenn Junk Food ein echtes Übel ist, kann und darf man den Begriff nicht mir nichts dir nichts einfach mal gleichsetzen mit Fehlernährung und für deren gesamte Folgen verantwortlich machen. Von der Meldung einer Nachrichtenagentur erwartet der Leser sachliche und vor allem richtige Information und Berichterstattung. Eine Meldung, die diese Erwartung nicht erfüllt, verstößt gegen die Grundregeln des guten und seriösen Journalismus. Junk-Food-Journalismus ? Nein, danke!. Meine Utopie: Mehr Slow Food beim Essen – und ein Journalimus, der sich mehr am Gedanken von Slow Media orientiert – weg von der schnellen Konsumierbarkeit, hin zu mehr Qualität, die Orientierung statt aufputschende Headlines und grelle Effekte bietet.

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