Fast zwei Drittel der Deutschen fühlen sich pumperlgesund – bis ins fortgeschrittene Alter. Zu diesem Ergebnis kommt der DKV Report „Wie gesund lebt Deutschland“ 2016. Demnach gaben 63 Prozent von 2800 Befragten im Rahmen der repräsentativen Studie an, dass ihr gefühlter Gesundheitszustand gut oder sogar sehr gut sei – das sind stattliche 9 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.

Das scheint einem urdeutschen Charakterzug geschuldet: dem grenzenlosen Optimismus. Oder steckt doch eher die grenzenlose Verdrängung dahinter? Letzteres ließe sich vermuten, wenn man die Realität betrachtet. Die sieht nämlich so aus: Knapp 10 Prozent der erwachsenen Deutschen leiden inzwischen bereits an Diabetes. Knapp 20 Prozent an Fettstoffwechselstörungen, über 20 Prozent an Bluthochdruck. Gut ein Fünftel der Deutschen leidet unter krankhaftem Übergewicht (Adipositas). 25 Prozent der Deutschen sind mit Rückenschmerzen, knapp 20 Prozent mit Atemwegserkrankungen und etwa 10 Prozent mit Depressionen dabei – um nur einige der häufigsten Krankheiten in Deutschland zu nennen. Macht aber alles nichts – denn Hauptsache, die Deutschen fühlen sich gesund.

Auch überfüllte Wartezimmer, dramatisch steigende Krankheitskosten, Krankschreibungen in Deutschland, die gerade einen neuen Höchststand erreicht haben und parallel dazu ein Anstieg der Ausgaben für Arzneimittel bei den Kassen im ersten Halbjahr 2016 um rund 4,1 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro können die Deutschen nicht davon abhalten, das Gefühl ihrer guten bis sehr guten Gesundheit zu genießen. Ein Gefühl, dass so stark ist, dass es sogar bei 80-jährigen Männern noch festzustellen ist, die bei einer Lebenserwartung von 77 Jahren eigentlich längst tot sein müssten. Erklären lässt sich das durch einen Trend, der anscheinend nicht zu stoppen ist: Den Trend zum gesunden Sterben. Wohl bekomms!

Übrigens: Angesichts dieses Trends muss man wohl auch die Verwendung des Begriffes „leiden an“ überdenken. Schließlich scheinen ja viele, die z. B. an Diabetes oder Bluthochdruck “leiden”, ganz glücklich damit zu sein. Wie wär’s mit „Freude am Diabetes“ oder „Spaß mit KHK und Bluthochdruck“? Ist allerdings schon noch gewöhnungsbedürftig.

 

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