Oder: Wer weniger Fleisch isst, muss nicht gleich zum Vegetarier werden.

Am Sonntag berichtet: Die flämische Stadt Gent hat den “Veggiedag” eingeführt, was die verantwortlichen Stadtväter verschiedenen Pressemeldungen zufolge veranlasst hat, Gent als „Vegetarierhauptstadt“ zu bezeichnen. Das ist ein Blödsinn, der vom Wesentlichen ablenkt und der wichtigen Sache keinen guten Dienst erweist. Dem Vegetarismus haftet nach wie vor das Image blasser Lust- und Genussfeindlichkeit an. Vegetarier gelten dem normalen Fleischesser immer noch als säuerliche, salatblattkauende Spaßbremsen. Das macht es allzuleicht, ihr Anliegen als spinnerte Gesundheitsideologie abzutun.

So kommt das Genter Projekt in eine Schublade, in die es nicht gehört. Ein fleischloser Tag macht noch keinen Vegetarier – und darum geht es übrigens auch nicht. Es geht um eine Lebensstilveränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit – und weniger Fleisch zu essen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Der deutsche Durchschnittsverbraucher konsumiert immer noch ca. 60kg Fleisch und Wurst pro Jahr und liegt damit im Mittelfeld unter seinen europäischen Nachbarn. Der Fleischhunger der Belgier ist mit ca. 65 kg pro Kopf und Jahr noch einiges größer. Spitzenreiter sind übrigens – wer hätte das gedacht – die Spanier mit 81 kg pro Kopf und Jahr. Die hochgelobte Mittelmeerkost mit viel Gemüse, Obst und Olivenöl ist dort also offensichtlich längst Vergangenheit.

Die nachhaltige Alternative zum gegenwärtigen Fleischverzehr muss nicht gleich der völlige Verzicht sein. „Auch die Hälfte reicht“: Würden wir nach diesen Prinzip leben, wäre schon viel erreicht – sowohl für die persönliche Gesundheit als auch hinsichtlich eines nachhaltigeren Lebensstils.

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