„Warum wir Europas Moppel Könige sind?“ – Frank Plasberg fragt – Alle schwatzen – Keiner gibt eine Antwort.

Was für ein heilloses Durcheinander! Eigentlich sollte ich kein Wort mehr über diese Sendung verlieren. Schließlich hat schon das Zuschaun furchtbar weh getan. „Sterneküche im Fernsehen, Pizza auf dem Schoß: Warum wir Europas Moppel-Könige sind.“ hieß das Thema gestern abend  bei ‘hart aber fair’. Tim Mälzer, genervt von der konfusen Runde, brachte es gegen Ende der kakophonischen Veranstaltung auf den Punkt: „Die Experten, die hier sitzen, sind Extrembeispiele: Der Asket (SPD-Gesundheitsprofessor Karl Lauterbach); Miss Kaviar – ihr Hauptproblem: wie halte ich eine Dose offenen Kaviar frisch (Feinschmecker-Chefredakteurin Madeleine Jakits), der Dampfplauderer (Mälzer himself), und der Wissenschaftler, der sich’s so lustig hinlegt, wie er es gerne hätte (Udo Pollmer).“  Über das Thema der Sendung – der Deutschen Übergewicht – wurde dabei nur am Rande diskutiert. Amüsant war allenfalls, wie das Urvieh Pollmer den Besserwisser Lauterbach das Fürchten lehrte. Pollmer feuerte grosskalibrig ganze Salven von Studien ab – und hinterlies den sonst nie um einen Kommentar verlegenen Schlaumeier und Grillexperten mehrmals sprachlos. Lieber Udo, das haben noch nicht viele vor Dir geschafft!

Peinlich war die Dame vom Feinschmecker, zu deren Credo der Gedanke gehört: „Genuss hat etwas mit Selbstliebe zu tun und vor allem mit Kultur.“ Sie sagt auch in einem Atemzug: „Ich genieße gern und esse keinen Fast-Food-Dreck“. Und sie zieht voller Abscheu über den Geruch von Hamburgern her: „Das stinkt. Es riecht wie Gülle.“ Diese Sprachwahl zeugt nun weder von Kultur noch von gutem Geschmack. Das ist nicht der Stil, der einer Feinschmeckerin ziemt. Unabhängig davon, ob man Fast Food mag oder nicht, muss man zugestehen: Qualität lässt sich kaum lückenloser kontrollieren, als das die großen Burger-Ketten heute tun. Ob da was nach Gülle riechen kann? Großer Zweifel.

Das könnte sich auch Tim Mälzer hinter die Ohren schreiben, der McDonald’s zwar für ein „blödes Unternehmen“ hält, im gleichen Atemzug aber bekennt, sich vor der Sendung schnell noch eine Currywurst gegönnt zu haben – die war vermutlich weit weniger streng kontrolliert als jeder Burger aus dem blöden Unternehmen. Aber: Es gibt wenig, was man nicht noch unterbieten könnte. Einspieler vom Clubabend eines Düsseldorfer Männer-Kochclubs. Dort philosophiert Detlef Drenker, rüstiger Mitsechziger (geschätzt) und Träger des „Hummers am grünen Bande“ über die Rolle der Frau am Herd: „Das tägliche Kochen zu hause macht natürlich meine Frau, klar.“ Redakteurin: „Warum ‚natürlich’?“ Lange Pause – „Dat is jetzt so. Ja, weil einfach die Rollen so sind – die sind einfach so!“ Alles klar?

Professor Lauterbach parierte die Angriffe Pollmers zu guter Letzt mit Humor. Plasberg stellt die Schlussfrage: „Sie sind in eine missliche Situation geraten und warten auf die Henkersmahlzeit. Wer aus der Runde sollte die für sie zubereiten.“ Lauterbach: „Ich würde Herrn Pollmer nehmen, dann würde ich schon an der Mahlzeit versterben, bevor ich mich der Vollstreckung stellen muss.“ Pollmer: „Ob ich Ihnen diesen Gefallen tun würde? Da müssten Sie mich schon artig bitten!“ Das war dann doch fast eher Urban Priol als Frank Plasberg. Zwei echte Kandidaten für die Anstalt.

Mein Fazit als Zuschauer: Das war hart, aber nicht fair! Erkenntnisgewinn: gleich Null. Eine Stunde schlimmster Verschwendung kostbarer Lebenszeit.

Übrigens: Wieder einmal war kein Ernährungswissenschaftler am Tisch (..nein, zum hundertsten Mal: Udo Pollmer ist kein Ernährungswissenschaftler!!). Ernährungswissenschaftler sind gerade gut genug für den Faktencheck. Dort in den Kulissen kommen dann Prof. Ines Heindl und Prof. Ingrid Hoffmann zu Wort. Plasberg lässt die altbekannten Tanzbären diskutieren. Fachleute mit viel praktischer Erfahrung wie Prof. Ines Heindl sind gerade gut genug für die Etappe. Das verstehe, wer will. An den Ernährungswissenschaftlern liegt es jedenfalls nicht, wenn so viel Murks verzapft wird zu Ernährungsfragen  – denn leider müssen sie aus den Studios draußen bleiben.

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