Zum heutigen Welt-Diabetes-Tag zieht die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine ernüchternde Bilanz: Mit Blick auf die dramatisch steigenden Fallzahlen, so die DDG, hat die Primärprävention hat versagt. “Den Erfolgen bei den Diabetes-Folgeerkrankungen steht ein Versagen bei der Primärprävention gegenüber”, betont Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG nach einem Bericht der ÄrzteZeitung.

Damit lobt Garlichs die Ärzte (Erfolge bei der Behandlung der Folgeerkrankung!) und diskreditiert alle Berufsgruppen in der Diabetes-Prävention. Allerdings hat Garlichs mit seiner Wertung auch nur teilweise recht. Denn eigentlich hat nicht die Prävention versagt – versagt hat in erster Linie die Politik. Die würde jetzt entrüstet sagen: “Jetzt kommt doch das neue Präventionsgesetz!” Worauf einzuwenden wäre: Mindestens 10 Jahre zu spät! Zumal die Politik lehrt: Was kommen soll, ist noch längst nicht da (..man denke an den letzten Entwurf, der kommen sollte und dann ganz schnell wieder weg war). Prävention war und ist ein gesundheitspolitisches Feigenblatt, ein Scheinriese, über den alle – Gesundheitspolitiker, Kostenträger, Mediziner, Apotheker und viele andere Gesundheitsanbieter – reden, und der bei näherer Betrachtung winzig wird. Woran das liegt, analysieren die beiden Mediziner Peter E. H. Schwarz (Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden) und Rüdiger Landgraf (Deutsche Diabetes-Stiftung, München) in ihrem Beitrag über die Lage der Prävention im gerade erschienenen Gesundheitsbericht Diabetes 2015:

Beim Thema Prävention wird demnach “ein Paradoxon offensichtlich: dass wir die Notwendigkeit der Prävention wissenschaftlich anerkennen und das auch in unseren Leitlinien fixieren – aber Lebensstilmaßnahmen als ‘minderwertig’ wahrnehmen, diese belächeln und schon gar nicht konsequent empfehlen, umsetzen und entsprechende Leistungen vergüten. Woher kommt das? Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, dass Lebensstilinterventionen nicht bezahlt werden.“ Zudem beklagen die Autoren: „Weiterhin werden Lebensstilmaßnahmen gesellschaftlich und medizinisch nicht selten stigmatisiert, da sie zu schwierig umsetzbar und nicht nachhaltig seien. Wie bei jeder Intervention gibt es auch bei der Prävention Menschen, die nicht von Lebensstilinterventionen profitieren (Non-Responder). Wir sollten uns aber bewusst werden, wie schnell wir unseren Lebensstil an die Informationstechnologie inklusive Smartphones adaptiert haben – und wie gut sehr viele Menschen (jung und alt!)in der Lage sind, ihr Verhalten zu verändern, wenn konkrete Wünsche und beruflicher und persönlicher Bedarf bestehen.“

Da haben sie mehr als recht, die beiden Professoren – und zudem Lob verdient, dass sie sich des Themas annehmen und das viele laute Geschwätz um Prävention als (bisher) weitgehend leeres Phrasendreschen entlarven. Ob’s was nutzt? Wir werden sehen.

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