Pressemitteilungen sollten das Gelbe vom Ei liefern. Ziel sollte es sein, die Klarheit zu schaffen, die sich sowohl Journalisten als auch ihre Leser wünschen. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit ihrer aktuellen Pressemeldung unter dem nicht sehr subtilen Titel: “Eier zu Ostern – bunt und gesund?” versucht, ist aber leider daran gescheitert. Worum geht es? Inhaltlich arbeitet sich der Text am Ein-Ei-pro-Woche-Desaster ab. Herausgekommen ist ein Text, der alles erklärt – und trotzdem keine Klarheit schafft.

Ein-Ei-Empfehlung: Ein Schritt zurück?

„Ach du dickes Ei“- so der Aufschrei, der vor ziemlich genau zwei Jahren kurz vor Ostern durchs Land ging. Grund dafür waren die neuen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen der DGE. Stein des Anstoßes war die Empfehlung für den Verzehr von Eiern. Sie wurde deutlich gesenkt, von bisher zwei bis drei Eiern pro Woche auf nur noch ein Ei wöchentlich. Mit diesem “Überraschungsei“ erzielte die DGE ein bisher ungekanntes Medienecho – leider jedoch in Form großer Empörung und eines beachtlichen Shitstorms in Social Media.

Die aktuelle Pressemitteilung der DGE liest sich wie der Versuch einer Wiedergutmachung, die nicht wirklich gelingt: Die Ein-Ei-Empfehlung wird weichgespült. Damit versucht sie einen perfekten Spagat, der wortreich misslingt:  Man will die Empfehlung nicht wirklich. Aber verunsicherte Verbraucher will man schon auch beruhigen. Zentraler Satz ist dabei immer noch: „Als Orientierungswert gibt die DGE ein Ei pro Woche an“. Punkt! Dann folgt eine für den Durchschnittsleser schwer verständliche Erklärung: Er erfährt, dass das Ein-Ei-Postulat aus einem Modell stammt, das vieles gleichzeitig sein will: gesund, nachhaltig, realistisch. Klingt gut. Nur leider auch wie die perfekte Ausrede für alles und nichts.

Nachhaltigkeit: Aufzwingen funktioniert nicht

Spätestens mit den Ernährungsempfehlungen des Jahres s 2024 hat die DGE den Zusammenhang zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil ihrer Bewertungen gemacht. Kein Zweifel: Der Blick auf Ernährung geht ohne Betrachtung der Nachhaltigkeit nicht mehr. Aber: Man muss für sie werben. Aufzwingen funktioniert nicht. Wenn Nachhaltigkeit als Bevormundung daherkommt, schießt man über das Ziel hinaus und erntet allenfalls Reaktanz. Als gemeinnütziger Verein sollte die DGE darüber hinaus im Interesse der gesamten Bevölkerung agieren. Vielleicht dämmert es der DGE deswegen – auch durch das Ein-Ei-Desaster getriggert – dass es wenig Sinn es macht, zur „Deutschen Gesellschaft für nachhaltige Ernährung“ zu mutieren.

Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Doch die diplomatischste und zugleich richtige Botschaft wäre vor Ostern 2024 gewesen:  „Es bleibt bei zwei bis drei Eiern pro Woche – wem Nachhaltigkeit wichtig ist, der sollte auf ein Ei pro Woche reduzieren.“ Da man dorthin nun nicht zurückkommt, könnte man immer noch wie der Jenaer Ernährungswissenschaftler Prof. Lorkowski – ehemals Vizepräsident der DGE – resümieren: „Wir sollten Eier nicht verteufeln, aber es gibt gute Gründe, sie auch nicht im Übermaß zu essen!“ – so zu lesen in seinem kürzlich erschienenen, sehr lesenswerten Übersichtsartikel zur Datenlage zum Nahrungscholesterin und dem Verzehr von Eiern.