“Es ist erschreckend, wie süß die Kinder trinken!” beschwert sich das Forum Trinkwasser in der Headline einer aktuellen Pressemeldung. Es mag erschreckend sein, aber es ist nun wahrlich kein Wunder. Welches Kind würde schon – vor die freie Wahl gestellt – einem Glas Wasser den Vorzug geben vor einem ‚leckeren‘ süßen Limonadengetränk. Wer Kindern gezuckerte Getränke verfügbart macht, kann davon ausgehen, dass das Zeug getrunken wird. Die alternative Entscheidung kann man von Kindern nicht verlangen. Apropos Verfügbarkeit: Das Süße – es ist uns so selbstverständlich, es ist überall, alles ist süß. Dabei ist es gar nicht selbstverständlich. Man erinnere: Bis ins 18. Jahrhundert war Zucker ein Luxuslebensmittel der Reichen. Für den Rest der Menschen war gar nichts süß – außer dem bisschen Honig und den paar reifen Früchten, die ihnen zur Verfügung standen. Um das Jahr 1800 wurden weltweit etwa 250.000 t Zucker aus Rohrzucker hergestellt. Dann erst kam die Zuckerrübe: In Schlesien wird im Jahr 1801 die erste Rübenzuckerfabrik der Welt gebaut. Im Jahr 1900 lag die Weltzuckerprodution bei 10 Millionen t. Während sich die Weltbevölkerung seitdem bis heute etwa vervierfacht hat, stieg die Zuckerproduktion um das 15-fache – auf ca. 150 Millionen Tonnen pro Jahr. Ist das nicht süß? Wer den Zuckerkonsum von Kindern reduzieren will, muss die Verfügbarkeit einschränken. Ein bisschen Grenze muss ein. Anders geht es nicht.

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