Viel Gerede um den Hunger  – wenig Brot für die Hungernden

Zwei Tage lang war der Hunger auf der Welt im Mittelpunkt des Medieninteresses. Der Welternährungsgipfel in Rom gab Anfang der Woche den Anlass dafür. Inzwischen ist der Hunger schon wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. In den Mägen der Betroffenen wird er noch lange rumoren. Denn das Fazit des Gipfels lässt sich kurz zusammenfassen: Nix gewesen außer Spesen – und jede Menge Gerede: Viele Appelle, Anklagen, Forderungen und Erklärungen gab’s – und wenig Brot. Der Kommentar von Antje Diekhans aus dem ARD-Hörfunkstudio in Nairobi  auf tagesschau.de zieht die traurige Bilanz: Stärker kann man ein Ziel kaum verfehlen. Vor ein paar Jahren verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs feierlich, die Zahl der Hungernden in der Welt zu halbieren. Damals galten etwa 840 Millionen Menschen als extrem unterernährt. Inzwischen sind es mehr als eine Milliarde, Tendenz weiter steigend. Jeden Tag sterben 24.000 Kinder, Frauen und Männer, weil sie nicht genug zu essen haben.  

Den hohen Herren der FAO fiel derweil nichts besseres ein, als Event-PR zu betreiben. Wenn es recht ist, dass das Kabinett der Malediven eine Pressekonferenz unter Wasser gibt, um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen, dann ist es nur billig, dass FAO – Generalsekretär Jacques Diouf  für eine Nacht im Foyer seiner Behörde nur mit einem Schlafanzug bekleidet in einen 24-stündigen Hungerstreik tritt, um auf  das Schicksal von rund einer Milliarde hungernder Menschen aufmerksam zu machen. Das hat Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon scheinbar gut gefallen – er schloss sich dem symbolischen Protest prompt an und trat ebenfalls in einen eintägigen Hungerstreik. Was für ein Zeichen der Hilflosigkeit! Alles aber immer noch besser als der wieder einmal völlig ausgeflippte Gaddafi, der für die langen Nächte zwischen den Gipfeltagen hunderte von Italienerinnen aufsammeln ließ, um sie zum Islam zu bekehren und danach wer weiß was mit Ihnen zu treiben. Bei solchen Gipfelgeschichten kann sogar den Hungernden der Appetit vergehen.

Kritisch beleuchtet wird der Gipfel von der taz, die in einer lesenswerten Analyse zu dem Schluss kommt: „Unhaltbare Versprechen, Grabenkriege um die Kontrolle globaler Entwicklungsgelder und Ernährungs-Institutionen, ungelöste Widersprüche um Agrarsprit, Welthandel und die Verteilung der Klima- und Umweltkosten, Arroganz der Industriestaaten und falsche Rücksichtnahme gegenüber Regierungen, die den Hunger in ihren Ländern nicht wirksam bekämpfen, prägen das Bild des Welternährungsgipfels.“  Auch nach Ansicht des katholischen Hilfswerks MISEREOR ist der Gipfel eine Farce: “Was da auf acht Seiten erklärt wird, ist im Wesentlichen eine widersprüchliche Zusammenstellung bereits getroffener Vereinbarungen und Versprechen”, so MISEREOR-Ernährungsexpertin Alicia Kolmans.

Mehr Hintergrundinfos zum Thema auch unter  https://www.tagesschau.de/suche2.html?searchText=Weltern%E4hrungsgipfel, https://suche.welt.de/woa/result.html?encoding=iso8859-1&multiRessort=&query=Weltern%E4hrungsgipfel