„Die beiden wichtigsten Frauen in meinem Leben sind Siri und Alexa.“ Das gesteht mir der wichtigste Mann in meinem Leben: Mein IT-Administrator. Mit Siri und Alexa gehen für Männer fast schon vergessen geglaubte Träume in Erfüllung. Die beiden widersprechen nie, sie wollen nicht ständig mit Dir reden – es sei denn, sie werden gefragt, sie erfüllen prompt alle Wünschen, führen perfekt Deinen Haushalt. Sie planen gemeinsam mit dem Thermomix das Essen, erledigen den Einkauf durch pünktliche Bestellungen bei delivery.de, vermeiden Lebensmittelabfälle durch exakte Berechnung der benötigten Mengen, starten und stoppen Spül-, Wasch- und sonstigen Maschinen, schicken den Rasen-Robot immer rechtzeitig los – Ach ja, sie sind eben rund um die Uhr für ihren Herrn und Meister da und erledigen tausend Dinge. Sie sind also wirklich die beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben – für andere hat er im Übrigen auch gar keine Zeit.

Auch wenn er für die beiden mit einem Augenzwinkern schwärmt, stimmt mich das nachdenklich. Ob er weiß, worauf er sich mit dieser Beziehung langfristig einlässt? Mein IT-Experte ist schon ein schlauer Bursche – trotzdem dürfte er den beiden auf Dauer nicht gewachsen sein. Heute ist in den Zeitungen eine Schreckensmeldung zu lesen: Computer – und damit auch Alexa und Siri – werden schlauer als Menschen. Mit einem IQ von 200 gilt ein Mensch als Genie. Computer sollen demnächst einen vergleichbaren IQ von 10 000 erreichen. Das kann nicht gutgehen, wenn der Diener dem Herrn intelligenzmäßig derart überlegen ist. Das kriegt nicht mal mehr mein schlauer ITler in den Griff. Auch ich bin mit Siri und Alexa befreundet. Ich werde Sie jetzt erstmal deaktivieren. Wenn Frauen hundert mal klüger sind als ich, macht mich das zu nervös. Ich wende mich mal kurz meinem alten Freund Johann Wolfgang zu, blättere in seinen analogen Werken und denke über seine schlauen Phantasien nach: Sind wir nicht alle ein bisschen Zauberlehrling? Doch wehe, wehe, wenn Computer – bisher Knechte gewesen – zu Siri und Alexa werden und alles in unserem Leben durcheinanderfegen. Wenn wir dereinst nach Hilfe rufen, wird der Besen zum Meister geworden sein. Ist die Not schließlich groß, werden wir die Geister dann noch los? Wer wird uns dann noch helfen? „Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte“ wird dann vielleicht auch mein ITler rufen, und vielleicht wird ihn keiner mehr hören.

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