Haben Sie die erste Folge von Christian Rachs neuer Sendung “Rach tischt auf“ am Mittwoch im ZDF verpasst? Dann sind sie nicht allein. Rach’s Quote war laut Quotenmeter mit 11,1 Prozent aller Zuschauer (3,59 Millionen) nicht gerade überwältigend. Der Senderschnitt zur Primetime von 12,7 Prozent wurde deutlich verfehlt. Rach ist damit knapp am Flop vorbeigeschliddert. Lichtblick war die hohe Quote bei den 14- bis 49-Jährigen, die mit 0,91 Millionen einschalteten und dabei im seniorenlastigen ZDF mit überdurchschnittlichen 7,7 Prozent dabei waren. Dabei steht hinter der Sendung ein spannendes Konzept: Weg von der Show – hin zum Infotainment. Das ist prinzipiell eine gute Idee, denn Show-Cooking ohne Nährwert gibt es schließlich auf allen Kanälen zum Überdruss. Rach will mit dem Format nach eigenem Bekunden über Ernährung aufklären, dabei spannend und unterhaltsam informieren und das alles “ohne mahnenden Zeigefinger”. Klingt gut, sinnvoll und überzeugend.

Hat er das nun mit der ersten Sendung geschafft? Ein Blick auf die Kommentare der Rezensenten in den verschiedenen Leitmedien zeigt: Das Konzept an sich erntet verhaltenes Lob. Viel Kritik gibt es an der Ausführung und dem Moderatorenteam. Vor einem totalen Verriss bleibt Rach verschont, was heutzutage ja fast schon als überdurchschnittlicher Erfolg gewertet werden kann. Tenor vieler grundsätzlich wohlwollender Kritiken: Rach kann sich noch steigern, das Potenzial der Sendung ist noch nicht ausgeschöpft. Hier die kleine Nachlese vom tellerrand:

Der Focus stört sich vor allem am Moderationskonzept der Sendung: „Auch derbe Scherze können die neue Show von Christian Rach nicht retten. Bei der ZDF-Premiere des gelernten Kochs verderben zu viele Moderatoren die Sendung. Als Gesamtgericht ist die Sendung unbekömmlich. Weil die drei Moderatoren – Rach sollen Andrea Kiewel und Dirk Steffens helfen – nicht harmonieren.“ Die Sendung hat allerdings, so der Focus, auch ihre Highlights: Etwa als Rach in einer Bundeswehrkaserne 100 Soldaten vorgaukelt, „dass sie für ihn drei Currywurst-Soßen testen sollen – obwohl er eigentlich etwas ganz anderes herausfinden will: Ob die Tester in Uniform merken, dass sie in Wahrheit gar keine Wurst essen, sondern ein veganes Produkt.“ Für Neugierige: Es hat kein einziger der 100 Soldaten gemerkt!

Die Bild Zeitung antwortet als Blatt mit dem besonderen Gespür für die Gemütsverfassung des Zuschauers auf die Frage „Wie war’s“: „Christian Rach will mit seiner neuen Show das Bewusstsein der Zuschauer schärfen, kam dabei aber ein bisschen wie ein Missionar rüber. Seine Assistenten Kiewel und Steffens fungierten als Stichwortgeber, stellten Fragen, die Rach wie ein Lehrer beantwortete, hielten Schilder. … Ein Experte im Studio lieferte zusätzliche Fakten. ZU VIEL des Guten für die Zuschauer. Rachs Fachwissen wirkte auswendig gelernt, Kiwi zu übermotiviert. Die drei Moderatoren harmonierten nicht, fielen sich sogar ins Wort.“

Die Süddeutsche titelt „Fad im Abgang“ und meint: „Einen wunderbar schnoddrigen Moderator hat das ZDF mit Christian Rach eingekauft. Schade, dass man ihn in ‚Rach tischt auf!‘ in ein derart biederes Sendekorsett quetscht.“ Im Folgenden übt Autor Matthias Kohlmaier ebenfalls Kritik an der Dreifachmoderation: „Vielleicht hätte man mit der Dreifachmoderation vorher üben sollen, dann wären die Herrschaften einander nicht bei jedem zweiten Satz ins Wort gefallen. Und was noch viel interessanter wäre: Warum hat das ZDF Andrea Kiewel eigentlich jemals zurückgeholt? Die war doch längst gefeuert, nachdem sie 2007 vor laufenden Kameras ein bisschen zu offensichtlich Schleichwerbung für ein Diätprodukt betrieben hatte.“

Das Hamburger Abendblatt listet Pro und Contra zur Sendung auf. Während Oliver Schade die Sendung als „Informativ, unterhaltsam, kurzweilig“ erlebt hat und resümiert: „Die neue Ernährungsshow mit Christian Rach im ZDF legte einen grandiosen Start hin.“, kommt Jörn Lauterbach zu dem Schluss: „Man muss schon viele Jahre der Aufklärung verpasst haben, um hier noch aufzuhorchen. Christian Rach und seine beiden Mitstreiter Dirk Steffens (eigentlich guter Typ, hier etwas nervig) und Andrea Kiewel (wohnt im Fernsehen, immer nervig) präsentierten diese und weitere abgezählt 20 Fakten über unser Essen in 90 Minuten in einer solch drögen Zubereitungsweise, dass man einen ordentlichen Fettbrand herbeisehnte.“

Das Marketing und Medien-Portal HORIZONT.NET urteilt in seinem Sendungs-Check: Zu viele Köche verderben den Brei – das erste Ergebnis der Zusammenarbeit konnte Horizont noch nicht so recht überzeugen: „ Der Sternekoch hetzte durch eine völlig überfrachtete Show, dass einem beim Zuschauen fast schwindelig wurde. 50 Fragen und Fakten zu den Themen Essen und Ernährung will Rach in zwei Shows à 90 Minuten abhandeln – und das mit zwei Co-Moderatoren plus einem Ernährungsexperten im Studio. Schon eine kleine Rechenaufgabe zeigt, dass das Vorhaben ambitioniert ist: Für jede Frage hat Rach gerade einmal rund dreieinhalb Minuten zur Verfügung….Die Präsentation durch gleich drei Moderatoren trug zur Atemlosigkeit von “Rach tischt auf!” bei. Zu allem Überfluss gab zwischendurch auch noch ein Ernährungsexperte im Studio seinen Senf dazu. Vielleicht sollten sich Rach und das ZDF an eine alte Küchenregel erinnern: Zu viele Köche verderben den Brei.“

Und wie – falls Sie bei ‘Rach tischt auf’ dabei waren  – haben Sie’s gesehen??

 

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