Obst macht krank – mich – im Kopf! Nein, nicht Obst als solches – das hält gesund. Die aktuelle Diskussion um Obst und Gemüse – gestern angezettelt vom Spiegel – die macht mich krank. „Forscher feilschen um die optimale Dosis Obst und Gemüse“ , so war es gestern als Überschrift einer Geschichte bei Spiegel-online zu lesen, in der sich die Autorin Nina Kerber mit einer Studie von Wei Bao von den National Institutes of Health in Rockville und Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston auseinandersetzt. Die Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko eines frühzeitigen Todes pro täglicher Portion Obst oder Gemüse um etwa fünf Prozent sinkt. Bei fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag war es also um rund 25 Prozent verringert. Der Artikel kulminiert in der Frage der Autorin: „ 400, 560 oder 650 Gramm? Mehr als fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag haben laut der Studie keinen weiteren messbaren Effekt auf die Sterblichkeit. Damit widerspricht die Analyse einer kürzlich veröffentlichten britischen Studie, laut der es besser sieben Portionen täglich sein sollten.“

Das macht mich krank, weil diese abgehobene akademische Diskussion um Gramm und Kalorien Schwachsinn ist. Relevanz für die Praxis hat das keine – weder für die Ernährungspraxis der Menschen noch für die der Ernährungsberatung. Den Ernärungswissenschaftler möchte ich sehen, der mir ohne Hilfsmittel drei Teller mit jeweils 400, 560 und 650 Gramm Obst und Gemüse auch nur annähernd korrekt füllt. Und wenn’s der Experte schon nicht kann, wie soll es dann der Verbraucher checken? Der rennt nicht mit der Waage durch die Gegend. Diese Art von Diskussion hilft den Menschen nicht, die wissen wollen, was gut und richtig ist. Sogar die gut gemeinte, physisch vorstellbare Botschaft „Fünf am Tag“ greift da nicht – sogar sie ist noch zu kompliziert. Wer weiß am Abend noch, ob er nun drei oder vier Portionen Obst und Gemüse intus hat. Und überhaupt: Was ist eine Portion?

Es muss für den gesunden Menschen noch einfacher werden. Das Einfache muss allerdings viel tiefer verankert werden: Wir brauchen eine Ernährungserziehung, die früh in Schule und Familie ansetzt, und Grundregeln vermittelt, die ins Verhalten übergehen. Eine davon könnte sein: Jeden Tag möglichst viel Obst und Gemüse essen. Und dann versenken wir die blödsinnige Diskussion um feilschende Forscher, die Obst und Gemüse wiegen,  im Sommerloch!

Übrigens: Die Diskussion um Obst und Gemüse muss nicht krank, sie kann auch lustig machen, wie Hans Zippert heute wieder mal in seiner unvergleichlichen Art und Weise beweist.

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