Ohne Werbung wäre die Welt eine Einöde – sagt Nestlé Chef Gerhard Berssenbrügge in der Lebensmittelzeitung vom vergangenen Freitag. Da kommt man ins Grübeln. Die Geschichte der menschlichen Zivilisation also ein 10000 Jahre währender, entsagungsvoller Weg durch endlose kulturelle Wüsteneien bis zur Erlösung durch die moderne Werbung?

Die Philosophie von Platon über Thomas von Aquin bis zu Schopenhauer – auch sie nur Ergebnis einer inneren Flucht der Philosophen vor Ödnis und unendlicher Langeweile? Kunst, Kultur, Architektur der letzten 2000 Jahre – hat uns erst die Werbung vor so viel öder Zumutung gerettet? Und dann wäre da noch die Natur – Ödnis ohne Ende, vor der der Mensch gerne an den heimischen Bildschirm flieht, um mit dem Heinrich Nestlé Spot im Repeat-Modus – zweifelsohne ein Highlight moderner Werbekultur – in höhere geistige Gefilde zu entfliehen?

Ohne Werbung wäre die Welt eine Einöde, haben Sie also gesagt. Lieber Herr Berssenbrügge, ist dieser Satz ernst gemeint und Ihre Welt ohne Werbung so öd und leer? Da ist ja anscheinend richtig was schief gelaufen! Oder ist dieser Satz vielleicht selbst nichts anderes als Werbung? Das wäre dann ja schon eine Art Ausbruchsversuch aus der Ödnis. Dann müsste man sie ja fast nicht ewig bedauern für diesen Satz.

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