Eigentlich, dachte ich, wäre Berlin doch mal wieder eine Reise wert – zum Deutschen Verbrauchertag 2013 am Montag, dem 03. Juni im Berliner Congress Center, ausgerichtet vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Das habe ich mir nach Lektüre des Programms schnell wieder anders überlegt. Was da gegeben wird, ist kein Verbrauchertag. Es ist allenfalls die große Aigner Show. Es beginnt mit dem Auftritt von Ilse Aigners Chefin – mit der Rede der Bundeskanzlerin. Man darf gespannt sein, was Angela Merkel noch alles verspricht, ob sie auf die 30 Milliarden von Anfang dieser Woche noch was drauflegt.

Das wird sie sicher tun, denn der Verbrauchertag ist dieses Mal Laufsteg für Wahlkämpfer. Auf Merkel folgt Steinbrück, danach die große Wahldebatte mit Vertretern aller Bundestagsparteien und zum krönenden Abschluss Ilse Aigner. Ihr Thema: „Fünf JahreVerbraucherpolitik“. Ein Schelm, wer dabei an ein selbstkritisches Resümee denkt. Wozu also dort hinfahren, wo alle nur das Beste über sich und ihre Taten erzählen und das Blaue vom Himmel versprechen werden – und nichts von dem, was sie erzählen, wird etwas wert sein. „Verbraucher haben die Wahl“ – so lautet das Thema der Veranstaltung. Der vzbv präsentiert Politiker – so ist die Idee – damit sich der Verbraucher ein Bild von ihren Versprechungen machen kann. Von „Klarheit und Wahrheit“ ist man bei Politikern allerdings noch viel weiter als bei Lebensmitteln entfernt. Politiker ist noch jeder Claim erlaubt, und ihre Kennzeichnung ist miserabel. Was rauskommt, hat meist wenig mit dem zu tun, was drinsteckt, in den Politikern. Nach welchen Kriterien soll nun der Verbraucher wählen unter den Montagsrednern, die der vzbv präsentiert? Zumal auf der Rednerliste kein kritischer Geist steht, dem zuzutrauen wäre, dass er das Politikergeschwätz kritisch hinterfragt. Hauptredner Frank Schirmacher ist bestimmt nicht der rechte Mann dafür. Nein, Sie haben sich nicht getäuscht: Der Mitherausgeber der FAZ ist Hauptredner auf dem Verbraucherschutztag! Dass weder er noch sein Medium sich in Bezug auf den Verbraucherschutz besonders verdient gemacht haben, scheint niemanden zu spielen. Wenn schon ein Medienvertreter, dann hätte man als kritischer Verbraucher hätte man doch eher auf die taz-Chefredaktion am Rednerpult gehofft.

Zwei, die sich anscheinend sehr gut verstehen: Ilse Aigner und Gerd Billen. Foto © BMELVZwei, die sich anscheinend sehr gut verstehen: Ilse Aigner und Gerd Billen. Foto © BMELV

Der vzbv als Veranstalter des Verbrauchertags versteht sich als Marktwächter, als verlässlicher Anwalt der Verbraucher, der Verbraucherrechte durchsetzt. Betrachtet man Programm und Besetzung des Verbrauchertages, drängt sich die Frage, ob Gerd Billen als Vorstand des vzbv vom Verteidiger der Verbraucher in die Rolle des Staatsanwaltes gewechselt ist. Ein Staatsanwalt, der sich seiner Zahlmeisterin Ilse Aigner (das BMELV finanziert den vzbv mit jährlich derzeit ca. 8,7 Millionen Euro) mehr verpflichtet fühlt als den Klagen seiner Klienten – und damit ein Stück Unabhängigkeit preisgibt. Als echter Anwalt der Verbraucher, der sich nicht nur als Pflichtverteidiger versteht, müsste er neben den Vertretern des politischen Systems wenigsten ein paar Zeugen der Anklage auf die Bühne des Verbrauchertages bringen.

Übrigens: Hier kann man am Montag im Livestream beim Verbrauchertag dabei sein.

 

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