2016_fleischatlas_regional-TitelLetzte Woche ist der neue Fleischatlas erschienen, der jährlich von der Heinrich Böll Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausgegeben wird und üblicherweise kurz vor dem Start der Internationalen Grünen Woche erscheint. Unter anderem wird dort die steigende Fleischproduktion in Megaställen zu Dumpingpreisen kritisiert. Nach einer Meldung der Tageszeitung neues deutschland hat Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Ergebnisse des Berichts mit dem Ausspruch kommentiert. »Wir produzieren Fleisch für den Export, und die Scheiße bleibt hier.« Das ist, um im Jargon Weigers zu bleiben, „unter aller Sau“. Kritik ist gut und wichtig, doch wer seine Rhetorik aus der untersten Schublade holt, darf mit Respekt nicht mehr rechnen. Wir brauchen gerade im Lebensmittelbereich eine kontroverse, aber faire Debattenkultur, die derartige Sprüche bestimmt nicht befördern.

Es ist auch deshalb „unter aller Sau“, weil es falsch ist. Man nehme das Beispiel Geflügel: Nur die Schlegel und Brustfilets sind unseren verwöhnten Gaumen genehm. Der Rest – nach Weigers Wortwahl wohl „die Scheiße“ – geht nach Afrika, und zerstört dort die heimischen Märkte. Beispiel Ghana, zitiert nach einer aktuellen Reportage des Deutschlandfunk: “Allein vom Geflügel, das Deutschland in die EU ausführte, landeten im vergangenen Jahr mehr als 48.000 Tonnen auf dem afrikanischen Kontinent: Hälse, Flügel, Innereien. Reste, die in Europa, wo sich alle auf das fettarme Hähnchenbrustfilet stürzen, niemand essen will – die aber in Ghana begehrt sind.“ Darüber muss man reden, das muss man stoppen! Mit kruder Rhetorik, wie sie Weiger von sich gibt, schießt man an diesem Ziel vorbei.

Übrigens: Zweifellos ist Weigers Satz, den die Zeitungen jetzt drucken, aus jedem Zusammenhang gerissen (..der gesamte Text ist im Netz nicht zu finden). Doch auch, wenn sich die Aussage Weigers nur auf die Gülle beziehen sollte, wäre Sie nicht unbedingt richtig, wenn man der Argumentation des Agrar-Portals Proplanta folgt.

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