Wie sich die Nachhaltigkeit im Osten verflüchtigt – Gedanken nach der Zeitungslektüre am Wochenende.

Hätten Sie’s gewusst: Millionen europäischer Schlachtschweine treten ihre letzte Reise nach China an. Dabei würde sich wohl kaum Schwein in Diepholz, Vechta oder Dinklage zu Lebzeiten träumen lassen, dereinst süß-sauer in Peking zu enden. Besonders nachhaltig ist diese letzte Reise nicht. Aber wen interessiert schon die Nachhaltigkeit jenseits unserer Grenzen? Niemand – oder hat schon mal jemand was von Protesten gegen die Exporte der Fleischindustrie gehört? Ohne Nachhaltigkeit kommt uns hier in Deutschland nichts mehr rein – ganz gleich ob Kaffee, Ananas oder Bananen! Von Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsbericht wird erst gar nichts mehr gekauft. Ob das, was rausgeht, nachhaltigen Zwecken dient, beschäftigt hiesige Nachhaltigkeitsjünger wenig. Zudem scheint sich der Nachhaltigkeitsgedanke bei Verbrauchern jenseits unserer Grenzen im Quadrat der Entfernung zu verflüchtigen – vor allem, wenn es Richtung Osten geht.

Derart ins Grübeln hat mich eine Meldung in der Lebensmittelzeitung von dieser Woche gebracht: ‘China kauft mehr dänische Schweine’ heißt es dort. Für das kommende Jahr peilen die dänischen Exporteure demnach ein Handelsvolumen von 1,9 Mrd. Euro an. Das ist ein Schweinegeld! Der Chinese liebt eben Schweinefleisch und möchte dieses Bedürfnis befriedigen, im Zweifelsfall auf Kosten der Nachhaltigkeit. Wenn er sein Chop suey oder Schweinefleisch Sezuan süß-sauer verschlingt, scheinen ihn Herkunft, Regionalität und Nachhaltigkeit wenig zu interessieren. Das freut den europäischen Exporteur. Was stört ihn dann, dass ein paar Millionen Europäer zum Vegetarismus konvertieren, wenn der Fleischhunger von einer Milliarde Chinesen ständig weiter wächst. Darauf deutet zumindest die Exportentwicklung hin. Eine kleine Anfrage bei Google zeigt unter anderem: Deutschland z.B. hat sich sich in diesem Jahr an die Spitze der europäischen Schweinefleischexporteure gesetzt und Dänemark von Position eins verdrängt. Gegenüber dem Vorjahr sind die deutschen Schweinefleischausfuhren in den en ersten vier Monaten des Jahres um 29 % gewachsen – vor allem dank des Fleischhungers der Chinesen. Die EU insgesamt hat in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 knapp sieben Prozent mehr Schweinefleisch exportiert. Wichtigster Wachstumsmarkt für den Export war dabei China. Damit ist das Reich der Mitte etwa gleichauf mit Hongkong zur Nummer zwei unter den bedeutendsten EU-Absatzmärkten für Schweinefleisch geworden. 请多吃啊Ihr Chinesisch hat in den letzten Jahren gelitten? Nun denn, das heißt ganz einfach: Wohl bekomm’s!

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