Studie beurteilt die Verspritung von Stärke und Zucker als ineffizient und ökologisch sinnlos. Autoren empfehlen der Politik Abkehr vom Konzept EU 2020

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina als eines der einflussreichsten wissenschaftlichen Gremien Deutschlands kommt mit ihrem jüngsten Gutachten zum Schluss, im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. Damit stellt sie sich nicht nur gegen Empfehlungen etwa des Weltklimarates, sondern auch gegen die politische Strategie von Bundesregierung und EU-Kommission, die auf wachsende Anteile von Bioenergie am Energiemix setzen. Dem Gutachten zu Folge ist Bioenergie zu ineffizient und ökologisch sinnlos. Kritisiert wird außerdem, dass Bioenergie zur Verknappung von Nahrungsmitteln führen und deren Preise durch Wettbewerb um Land und Wasser in die Höhe treiben kann.

Deutschland solle deswegen auf den Ausbau von Bioenergie im geplanten Ausmaß verzichten, heißt es in der am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Studie. Die Autoren – 20 namhafte  nationale und internationale Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Bioenergie der Leopoldina – empfehlen „nach Abwägung aller Argumente für und wider eine Nutzung von Biomasse als Energiequelle“ u. a.: „Insbesondere sollte darauf gedrängt werden, das EU-2020-Konzept zu überdenken, das darauf abzielt, möglichst 10 Prozent des Treibstoffes für Transportzwecke aus Biomasse bereitzustellen. Vielmehr sollte sich Deutschland auf andere erneuerbare Energieressourcen konzentrieren wie Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie, deren Flächeneffizienz, Treibhausgas-Emissionen und andere Umweltbeeinträchtigungen niedriger sind als die von Bioenergie. Die Einsparung von Energie und Verbesserungen der Energieeffizienz sollten Vorrang haben.

Die weiteren Empfehlungen der Wissenschaftler können hier nachgelesen werden. Die Leopoldina ist dem Gemeinwohl verpflichtet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Sie berät Politik und Wirtschaft in wissenschaftspolitischen Fragen.

Stroh – ideal zum Verspriten? Nach Meinung der Wissenschaftler wäre es sinnvoller, die Biomasse zur Regenerierung der Böden auf den Feldern zu lassen.     Foto: mühleib

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