Ernährungsfachkräfte starten Petition zum Erhalt der ambulanten Ernährungstherapie

 

„Ambulante Ernährungstherapie in Gefahr“ – das ist die Befürchtung einer Gruppe von Ernährungsfachkräften, die unter Federführung der Diätassistentin und Dipl. Medizinpädagogin Birgit Blumenschein eine Online-Petition gestartet haben. Selbstständige Ernährungsfachkräfte mit ambulanter Praxis sind in großer Sorge sowohl um ihre berufliche Existenz und als auch um die Qualität der Therapie und das Wohl der Patienten. Grund dafür ist die Tendenz von Krankenkassen, Patienten ambulante Ernährungstherapie in Präsenz zu verweigern und stattdessen ausschließlich App-gestützte Online-Beratungen finanziell zu unterstützen. „Ernährungstherapie darf nicht zum Sparschwein der Kassen werden,“ konstatiert Blumenschein und fordert, dass es Patienten auch künftig möglich sein muss im Rahmen einer ärztlich verordneten Ernährungstherapie selbstbestimmt zwischen ambulanter Präsenz-Behandlung und digitaler Durchführung zu wählen, ohne dass diese Entscheidung von vorwiegend wirtschaftlichen Überlegungen der Kasse bestimmt wird.

Entsprechend lautet die zentrale Forderung der Petitionssteller: „Wir fordern die Verantwortlichen und Entscheider in der Gesundheitspolitik und bei den Krankenkassen dazu auf, eine qualifizierte Versorgung von Patient*Innen in der Ernährungstherapie zu garantieren, in der Betroffenen mit ärztlicher Anordnung/Verordnung auch künftig die selbstbestimmte, freie Wahl zwischen ambulanter Präsenz-Behandlung, digitalen Angeboten und der dafür qualifizierten Diätassistent*In, Dipl. Oecotropholog*In und Ernährungswissenschaftler*In möglich ist. Menschen benötigen, vor allem in schweren Lebenskrisen wie Erkrankungen, in erster Linie menschliche Kontakte, um die Krisen zu bewältigen.“

Hinter den Befürchtungen der Antragsteller stehen aktuelle Fälle wie dieser: Eine Patientin mit einer chronischen und konsumierenden Erkrankung erhielt nach der Akutphase (mit 8 kg Gewichtsverlust in 10 Tagen) die ärztliche Verordnung einer Ernährungstherapie zwecks Optimierung von Gewicht und Gesundheitszustand. Eine ambulant tätige, qualifizierte Diätassistentin war schnell gefunden und unmittelbar danach wurde der Antrag auf finanzielle Unterstützung an die Krankenkasse gestellt. Die Kasse lehnte den Antrag ab und bot der schwer kranken Patientin als Alternativer zu der verordneten therapeutischen Präsenz-Maßnahme eine sogenannte Präventionsleistung in Form einer App-gesteuerten Online-Beratung zur Vermeidung künftiger Fehl und Mangelernährung an – mit vergleichsweise wesentlich geringeren Kosten für die Kasse. Eine Nachfrage bei der Patientin, ob ihr die nötigen technischen Ressourcen zur Verfügung stehen, gab es nicht. Dies, so Blumenschein, ist nur einer von vielen ähnlichen Fällen, in denen Patienten in Online-Maßnahmen ‘hineinkomplimentiert’ werden. Sollte ein derartiger Umgang mit ärztlichen Verordnungen für Ernährungstherapie unwidersprochen Schule machen, wäre die Existenz der ambulanten Ernährungstherapeuten tatsächlich in höchstem Maße gefährdet.

Wenn es um Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit geht, ist eine breite Mehrheit von Entscheidern und Aktiven im Gesundheitswesen – angefangen von Gesundheitspolitikern über die Ärzte und Kassen bis hin zu den Medien im Gesundheitsbereich mit Lippenbekenntnissen immer schnell dabei. Allerdings kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass alle sehr schmallippig werden, wenn es um konkrete Maßnahmen geht, die Geld kosten. Dann halten sie alle die Brieftasche zu.

Wer den Fortbestand einer ambulanten, qualifizierten Ernährungsberatung und -therapie unterstützen will, sollte diese Petition also unbedingt unterstützen und unterzeichnen: https://www.openpetition.de/petition/online/ambulante-ernaehrungstherapie-in-gefahr#petition-main .

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