Das Schicksal Renate Künasts wird deutschen Ernährungspolitikern eine ewige Warnung sein. „Unser täglich Kotelett gib uns heute!“ Künast hat es gewagt, an diesem zentralen Mantra bürgerlicher deutscher Esskultur zu rütteln – mit dem eigentlich unspektakulären Vorschlag eines Veggie-Day – und wurde durch einen Sturm der Entrüstung abgestraft. Für alle, die nach ihr kommen, wird das eine Warnung sein: An diesem ehernen Gebot wird sich fürderhin lange, lange kein deutscher Politker mehr vergreifen.

Wenn es darum ging, den Rücktritt angeschlagener Politiker aus dem gegnerischen Lager zu fordern, war Künast immer schnell und lautstark mit dabei. Jetzt hat es die ehemalige Bundeministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz selbst erwischt. In weiser Voraussicht ist sie den Rücktrittsforderungen anderer zuvorgekommen – indem sie schnell und diskussionslos die persönlichen Konsequenzen aus dem Wahldebakel der Grünen gezogen hat und den Fraktionsvorsitz der Grünen abgegeben hat. Wer hätte geahnt, dass ihr in einer Zeit der vollmundigen Lippenbekenntnisse zu mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gesunder Ernährung der harmlose Vorschlag zur Einführung eines Veggie-Day zum Verhängnis werden könnte – ging es dabei doch um nicht mehr als ein bisschen Fleischverzicht. Sie dürfte mit der Zustimmung veränderungsbereiter Bürger gerechnet haben – und erntete einen Shitstorm ohnegleichen, der durchaus dazu beigetragen hat, sie jetzt aus der ersten Reihe der Politik hinwegzufegen. Das hat sie, die als Ministerin in der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder die „Agrarwende“ durchsetzte mit einem Reformpaket, das eine Stärkung des Verbraucherschutzes, die Förderung der ökologischen Landwirtschaft sowie eine Ausweitung des Tierschutzes zum Ziel hatte, nicht verdient. In der Ernährungspolitik wird ihre kritische Stimme fehlen. Die junge Politikerin (als Politikerin ist man mit 57 ja noch ziemlich jung) so berichten heute die Zeitungen – will sich nun wohl am liebsten als Bundestagsvizepräsidentin zur Ruhe setzen und streitet sich offensichtlich heftigst mit ihrer Kollegin Claudia Roth um diesen politischen Vorruhestandsjob. Das hat sie – trotz allen Engagements – nun auch noch nicht verdient.

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