Statistisches Bundesamt: Jeder zweite Bundesbürger zu dick.

Alle Jahre wieder liefert irgendwer aus Forschung, Wissenschaft oder Behörden die immer wieder beliebte Schlagzeile: Die Deutschen sind zu dick.  Gestern war es wieder so weit. Dieses Mal verbreitet das Statistische Bundesamt die Schreckensmeldung, die uns drastisch die Bedrohung für die Volksgesundheit vor Augen führt, die jeder zweite Bürger am eigenen Hosenbund spürt: 2009 waren nach dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI) 51 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig: 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen. Alarm: Unaufhaltsam schwappt das Dicke über unser Land! Heute hat es mit fetten Lettern die Medienlandschaft usurpiert: Google News registriert die Fettspur heute in fast 200 Artikeln.

Das schreckt natürlich unmittelbar unsere Politiker auf, die diese Zahlen alarmierend finden – dieses Mal in vorderster Front die Grünen in Person ihrer ernährungspolitischen Sprecherin Ulrike Höfken, die „sofortiges Handeln“ verlangt. Es gehe nicht nur um ein Schönheitsproblem, Übergewicht verursache auch Gesundheitsschäden und damit jährlich viele Milliarden an Behandlungskosten.

Geradezu unglaubliche Schlüsse lassen die Teilauswertungen der Statistiker zu: Demnach sind Witwen dicker als Ehefrauen und die wiederum dicker als die weiblichen Singles. Von denen haben gerade mal 25 Prozent Übergewicht, doch dafür erreichen sie umgekehrt mit sieben Prozent Untergewichtigen einen absoluten Spitzenwert. Für die WELT ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Schlankheitswahn der Frauen umso stärker ausgeprägt ist, je mehr sie sich noch auf Partnersuche befinden. Wer hätte das gedacht?

Apropos sofortiges Handeln: Aufgeschreckt durch ähnlich Zahlen rief der damalige Ernährungsminister Seehofer im Juni 2008 gemeinsam mit Ex-Gesundheitsministerin Ullala Schmidt den nationalen Aktionsplan Ernährung und Bewegung als Soforthandlung ins Leben. Seitdem werden im Rahmen von„InForm“ jährlich wacker 10 Millionen Euro in Sofortmaßnahmen gegen Übergewicht und für mehr Bewegung gepumpt – demnach sind wir schon längst im Stadium der Soforthandlung. Das Beispiel zeigt aber auch, dass Soforthandlungen nicht unbedingt Sofortwirkungen zur Folge haben – und damit leicht in die Rubrik Geldverpuffung durch Aktionismus fallen. Gerechterweise muss allerdings gesagt werden, dass 10 Millionen im Kampf gegen das Dicke nicht wirklich ins Gewicht fallen. Wer mit Spatzen auf dicke Kanonen schießt, kann diesen Krieg nicht gewinnen. Vielleicht sollte man das Dicke dick sein lassen und auf die mageren Zeiten warten. Die heilen uns noch früh genug vom Überflüssigen.

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