Pferdefleisch – viel besser als sein Ruf

Dampfendes Ross: Dampfendes Ross: Lieber auf winterlicher Weide als in Tiefkühlkost.
c muehleib

Skandal um Pferdefleisch! Wie schrecklich! Das Schrecklichste daran ist, wie die Medien mit dem ‘Skandal’ umgehen. Das Wort ‘Pferdefleisch’ wird verwendet, als handele es sich um Rattengift oder als sei es mindestens so gefährlich wie Gammelfleisch. Natürlich ist es Betrug, wenn dort, wo Rindfleisch sein sollte, schließlich Pferdefleisch drin ist. Trotzdem bleibt die Frage, ob das bereits ein “Skandal” ist.  Nur selten wird derzeit klar gesagt: Es handelt sich hier um eine Verbrauchertäuschung, die schnellstens abgestellt werden muss. Die ist jedoch definitv nicht mit einer Gesundheitsgefährdung verbunden. Aus rein ernährungsphysiologischer Sicht könnten sich Verbraucher schließlich fast darüber freuen: Nicht umsonst gilt Pferdefleisch in verschiedenen Ländern als ausgesprochene Delikatesse – meist ist es zarter als Rindfleisch und enthält  in der Regel zudem mehr Calcium und Eisen, gleichzeitig  weniger Fett und Kalorien.

Abneigung ist  kulturell begründet

So erteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dem Pferdeflesich ein hervorragendes Qualitätsurteil, nicht ohne auf die kulturgeschichtlichen Gründe für die bei uns verbreitet Skepsis hinzuweisen : “Die ‘Zweitklassigkeit’ von Pferdefleisch hat vor allem religiösen Hintergrund. Das Christentum verbot den Verzehr von Pferdefleisch, mit der Begründung, dass es den Menschen krank machen würde. Erst mit der Reformation wurde Pferdefleisch allmählich hoffähig“. Es wurde zum Nahrungsmittel vor allem der armen Leute, die sich andere Fleischarten nicht leisten konnten. Besondere Bedeutung hatte es in Notzeiten.”  Pferdefleisch ist immer noch billig – es kostet gerade mal ein Fünftel dessen, was man für Rindfleisch bezahlt. In dieser großen Preisdifferenz liegt auch der Anreiz für Betrüger. Wer Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert, macht ordentlichen Profit.

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