Meinhard Miegel, Wachstumskritiker, Vorstandsvorsitzender des „Denkwerk Zukunft“ und einer der renommiertesten deutschen Sozialwissenschaftler, beklagt in einem Interview mit der Berliner Zeitung unter dem Titel „Wir haben völlig die Kontrolle verloren“ den Größenwahn der Gesellschaft und fordert eine Abkehr vom Materialismus. Entfesselte Finanzmärkte, unkontrollierte Datenmengen und aus dem Ruder laufende Großprojekte – all das sind Symptome einer Gesellschaft , die nach seiner Ansicht komplett überfordert ist. Miegel meint..

…zur Entwicklung von Wirtschaft und Finanzmarkt: „Wir durchschauen alles nicht mehr und haben keine Ahnung, was wir machen sollen. Den Menschen ist ihr Werk über den Kopf gewachsen. Das erzeugt Frustrationen und ein Gefühl der Ohnmacht. Eine Folge davon ist Politikverdrosenheit.”

–zum Sinn des Lebens: „Die Krux ist, dass in den westlichen Gesellschaften die letztlich transzendentale Sinnfrage, auf die jede Kultur eine plausible Antwort finden muss, mit so banalen Dingen wie der Steigerung von Konsum und Wettbewerbsfähigkeit beantwortet werden soll. Das funktioniert jedoch allenfalls vorübergehend.“

Alternativen zum Produzieren und Konsumieren sieht er darin, „dass sich die Menschen wieder mehr ihrer selbst bewusst werden, still werden, in sich hineinhören, ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen, sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen. Vor einiger Zeit berichtete mir ein buddhistischer Mönch, wie er Topmanagern wieder beibringt, zu hören, zu sehen, zu riechen und zu schmecken. Dieser Verlust existenzieller Verankerung ist ein hoher Preis für die Anhäufung nicht selten überflüssiger Gütermengen. Viele sind Sklaven des Konsums. Sie opfern ihre Lebenszeit für etwas viel Geringwertigeres“

Miegel, Autor zahlreicher Bücher, zitiert hier wohl im wesentlichen Gedanken aus seinem jüngsten Buch: „Hybris – die überforderte Gesellschaft.“ Es scheint lohnend, sich ein bisschen Zeit für dieses Buch zu nehmen.

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