Ich interessiere mich nicht sonderlich für Fußball – außer vielleicht für den 1. FC Köln (Lokalpatriotismus) und die Nationalmannschaft. Manchmal lese ich Interviews mit interessanten Spielern, wie heute das Gespräch mit Philipp Lahm in der Welt am Sonntag (derzeit online nur verfügbar in der Berliner Morgenpost). Neu für mich ist, dass er eine Stiftung hat, die unter anderem jedes Jahr ein Sommercamp für benachteiligte Kinder in München finanziert, wo es um die Vermittlung von Werten wie soziale Verantwortung, Fairness, aber auch gesunde Ernährung geht.

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Die Interviewer schildern eine kleine Szene aus dem Camp – ein Kind meinte wohl, dass Nutella nun nicht gerade gesund sei, und fragt, wieso die Nationalmannschaft dafür Werbung mache. Darauf antwortet Lahm durchaus souverän: „Kinder sind aufmerksam, solche Widersprüche fallen ihnen sofort auf. Das Mädchen war sehr direkt: „Du willst uns was von gesunder Ernährung erzählen und machst Werbung für Schokocreme. Das passt doch nicht zusammen.“ Das wäre in der Tat nicht gut gewesen. Solche Situationen machen mir immer wieder klar, was es bedeutet, Vorbild zu sein. Ein anderes Kind fragte, ob ich auch Schokoriegel esse. Ich habe ehrlich geantwortet. Ja klar, die schmecken mir schon, hab’ ich gesagt, ich esse nur nicht sechs Stück am Tag.“

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Lahms Antwort war vielleicht auch deshalb so entspannt, weil nicht er selbst, sondern seine Nationalmannschafts-Kollegen dafür Werbung gemacht hatten. Wie dem auch sei – in den Sommercamps waren bisher schon rund tausend Kinder, und Lahm arbeitet daran, das Konzept flächendeckend in Deutschland anzubieten. Darüber hinaus finanziert seine Stiftung, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, zwei Projekte in Johannesburg und Kapstadt. In Johannesburg wurde zwischen zwei Townships ein Fußballplatz gebaut und eine Bibliothek eingerichtet. Ausgebildete Trainer kümmern sich um die Kinder, bieten täglich Trainings an und sind stabile Bezugspersonen. Lahm: „Wir wollen die Kinder von der Straße holen, ihnen über den Fußball Werte wie Fair Play, Zusammenhalt und Disziplin vermitteln.“

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Was seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft betrifft, zeigt sich Lahm nach wie vor ganz mit sich im Reinen – und freut sich auf die nächsten Länderspiele, die er nun aus einer ganz anderen Perspektive zu Hause vom Sofa aus erleben wird. „Mit Schokoriegel oder Chips?“ fragen die Interviewer. „Nee, aber mit einem schönen kühlen Bier (lacht).“ Das, meine ich, ist doch politisch völlig korrekt. Wohl bekomm’s, Philipp Lahm– und Respekt für so viel Einsatz und Haltung.

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