„Koma-Saufen bei Jugendlichen nimmt zu“ – so und ähnlich titeln heute die Tageszeitungen als Reaktion auf den jüngsten Drogenbericht. Mit dieser Nachricht werden auch sofort die Rufe nach Verknappung, Werbeverboten und drastischen Preiserhöhungen für Alkohol laut. Das alleine wird den Missbrauch nicht verhindern. Solche Maßnahmen können allenfalls Teil einer Lösung sein. Wenn sich ein Jugendlicher in die Besinnungslosigkeit säuft, dann ist der Alkohol in der Regel meist Mittel zum Zweck – zur Betäubung der verschiedensten Gefühle. Auslöser sind Resignation, Wut, Hoffnungslosigkeit, Überdruss und / oder Perspektiv- und Orientierungslosigkeit in einer Gesellschaft, die viel von ihnen erwartet und sich wenig um sie kümmert. Sie suchen ihren Platz im Leben und finden ihn nicht. Die Erwachsenen müssen wieder mehr dafür tun, ihnen diesen Platz zu geben. Jugendliche brauchen Eltern und Lehrer, die ihre Vorbildfunktion ausfüllen und wahrnehmen. Dazu gehört auch, ihnen zu zeigen und vorzuleben, wo die Grenze liegt zwischen Genuss und Exzess. Alleine damit wären wir einen großen Schritt weiter. Auch die Politik muss sich mehr einfallen lassen als Verbote – doch statt mehr Geld in die Jugendförderung zu investieren, rettet sie lieber Banken.

Hintergrund: Laut neuestem Drogenbericht wurden im Jahr 2007 mehr als 23.000 Kinder z. T. bewusstlos in die Notaufnahmen eingeliefert. Im Rausch des Wahlkampfs werfen sich die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) und Familienministerin von der Leyen (CDU) nun gegenseitig Versagen vor (mehr dazu z.B. hier und hier) Frau Bätzing nutzt den Bericht, um zum wiederholten Mal nach scharfen ordnungspolitischen Maßnahmen zu rufen. „Zur Hölle mit dem Alkohol“ – das Motto der heiligen Sabine der Trinkstätten und Suchtgefährdeten ist vielleicht gut gemeint sein. Es dürfte in seiner geradlinigen Engstirnigkeit zu simpel sein, um die eigentlichen Ursachen auszuschalten, die Jugendliche für die verschiedensten Formen der Sucht empfänglich machen.

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