Auf Zeit Online ist ein Interview mit Rach, dem Restauranttester zu lesen, in dem der Vielseitige den studierten Philosphen hinter dem Praktiker zum Vorschein kommen lässt: Zwischen Interessantem zu Essen, Genuss und Moral zeigt er Anflüge von Nostalgie und Großmutter-Romantik, die nicht so ganz überzeugen. Hier ein Auszug

ZEIT ONLINE: Uns wird täglich erzählt, Kochen sei wahnsinnig einfach. Warum reden wir immer noch über Fertigprodukte und ihre Folgen?

Rach: Es hat doch schon ein großer Wandel hin zum Selbstkochen stattgefunden! Wir machen leider in vielen Situationen noch einen dummen Klassenkampf daraus.

ZEIT ONLINE: Woran fehlt es noch?

Rach: Es müssten die alten Tugenden unserer Großmütter wieder Allgemeingut werden. Dagegen steht unsere gesellschaftliche Wirklichkeit. Gottseidank hat die Emanzipation fast überall Einzug erhalten. Aber was dabei auf der Strecke geblieben ist, ist Tradition: Wie mache ich Obst ein? Welche Kräuter nehme ich wofür? Das ging von Oma zur Mutter, von Mutter zur Tochter. Das muss nun an alle weitergegeben werden. Sonst verlieren wir großes Wissen über gesunde Ernährung. Wir machen nicht mehr die Quitten ein oder salzen den Kohl. Stattdessen essen wir im Winter Erdbeeren.

Mühleib meint: Bei Großmutter dauerte alles sehr, sehr lange – denn sie hatte noch viel, viel Zeit. Und vieles, was Großmutter machte, war weder besonders bekömmlich noch gesund. Auch der Abwechslungsreichtum hielt sich in Grenzen. Natürlich gab es die Lieblingsspeisen, die mich bis heute verzücken. Standard waren allerdings Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, Mehlschwitzen. Das meiste davon wäre heute kaum noch zeitgemäß.

Was fehlt sind nicht Großmutters Tugenden, sondern Basiswissen und Basistechniken zur Zubereitung einfacher, leckerer und gesunder Alltagskost. Vor allem für junge Leute geht es weniger um Omas Marmeladenrezepte (in denen übrigens immer zu viel Zucker war) als um die Frage: Wie bereite ich möglichst effizient aus wenigen guten Grundprodukten eine Mahlzeit, die gesund ist und schmeckt?

Meinem Sohn habe ich z. B.beigebracht, wie man aus einem Topf gekochter Kartoffel drei kleine köstliche Mahlzeiten der schnellen Küche macht – und drei Tage lang mit wenig Aufwand wunderbar versorgt ist: Pellkartoffel mit Kräuterquark und einer Scheibe Räucherlachs, Kartoffelsalat mit Apfel und Gurke, Bratkartoffeln mit Tomaten/Mozzarella und ein kleinen Steak dazu. Liebe Oma, wenn Du das noch erlebt hättest, da hättest Du gestaunt! Und vielen Dank auch. Denn das mit der Mehrfachnutzung der Kartoffeln, das stammt ja übrigens doch von Dir! So ganz unrecht hat er also doch nicht, der Rach.

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