Kleine Bärenkunde für Gourmets

Der Bär ist los – und alle sind hinter ihm her. Nachdem der „Normalbär durch den Verzehr einiger Hühner und Schafe von Edmund Stoiber zum  „Schadbär“ erklärt wurde, wird jetzt zum großen Halali geblasen. Natürlich werden sie ihn kriegen – schließlich ist der Mensch nach wie vor das größte Raubtier. Da kann so ein kleiner Bär nicht gegen an. Aber was dann? Hier bieten sich die interessantesten kulinarischen Möglichkeiten an.

Aus Funden an Feuerstellen unserer Vorfahren wissen wir, dass sie Bärenfleisch geliebt haben müssen. Von Hildegard von Bingen stammt die Warnung, Bärenfleisch mache lüstern. Vielleicht war dies ja  für die Mitglieder der jagenden Zunft seit jeher der eigentliche Grund für die Beliebtheit des Bärenfleischs. Sogar Angela Merkel hat es schon gekostet. Während der Konsultationen mit Putin in Tomsk servierten ihr die Russen wahrhaftig Bärenbraten. Er gilt bis heute als sibirische Spezialität. „Lecker und kurzweilig“ sei der Restaurant-Besuch gewesen, erklärte die Kanzlerin danach. Besonders lüstern wirkte sie dabei allerdings nicht – zumindest nicht lüsterner als wir es von ihr gewohnt sind. Außer lüstern kann Bärenfleisch übrigens auch krank machen. Trichinen z.B. lieben Bärenfleisch über alles und befallen aus diesem heraus besonders gern die Liebhaber dieser Spezialität. Noch im vergangenen Herbst erwischte es eine Gruppe von Franzosen, die einen in Kanada erlegten Bären trotz Importverbotes für Bärenfleisch nach Orleans verschleppten und dort verzehrten. Sollten Sie übrigens nach dem Verzehr von „Bärenleber Tiroler Art“ plötzlich unter Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen und späterem Haarausfall leiden, muss sie das nicht weiter wundern. Bärenleber enthält so viel Vitamin A, dass schon der Verzehr recht übersichtlicher Portionen zu einer lebensbedrohlichen Vitamin-Vergiftung führen kann.

Nach Entfernung der Leber und Klärung der Trichinenfrage können Bärenbraten, marinierte Bärentatzen und geräucherter Bärenschinken wahre Köstlichkeiten sein. Echte Trapper und Wildhüter finden im Internet unter https://www.recipezaar.com/r/393/372 nach Eingabe des Stichwortes „Bear Meat“ leckere Rezepte gleich dutzendweise. Empfehlenswert scheint z.B. „Red Mountain Barbecued Bear“. Auch „Longhunter’s Bear Roast“ ist sicher nicht zu verachten, wogegen „Bear with Rice“ doch etwas langweilig klingt. Wie kommt man nun in Deutschland an den Leckerbissen, nachdem unser Alpenbär verteilt sein wird?  Dazu wäre ein Besuch in Sachsen-Anhalt zu empfehlen. Nach einer Meldung der „Stiftung für Bären“ züchtet man in Jeggeleben  bis heute Bären für den menschlichen Verzehr. Jedes Jahr im Februar ist dort der große Bärenschmaus angesagt. Als sinnvolle Vorbereitung auf ein zünftiges Bärengelage wäre auch eine Anruf bei der Kreisvolkshochschule Verden in Betracht zu ziehen, die noch vor Jahresfrist eine Kochveranstaltung anzubieten hatte, bei dem es als Hauptgericht einen „super leckeren Bärenbraten mit Beilagen und Gemüse“ gab. Mit der Anmeldung sollten Sie sich beeilen: In Anbetracht der aktuellen Lage wird der Andrang riesig sein.

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