Dogma der Ernährungsberatung gerät ins Wanken.

Die folgende Meldung muss wieder einmal den gesamten Berufsstand der Ernährungsberater(innen) in tiefste Selbstzweifel treiben. Tatsächlich beruht einiges, was Ernährungsberater(innen) von sich geben, mehr auf Vermutungen denn auf wissenschaftlich erwiesenen Erkenntnissen. Im aktuellen Fall geht es um das Dogma des Ballaststoffverzehrs:

Wer täglich viele Faserstoffe zu sich nimmt, verringert damit nicht sein Risiko für Dickdarmkrebs. Mit dieser überraschenden Meldung widersprechen amerikanische Wissenschaftler der bislang weit verbreiteten Annahme, wonach Ballaststoffe das Darmkrebsrisiko senken können. Um die kontroverse Diskussion um die Rolle der Ballaststoffe als Krebsschutz möglichst zu beenden, analysierte ein Forscherteam in den USA um Yikyung Park 13 Studien aus Europa und Nordamerika, an denen sich insgesamt 725628 Freiwillige beteiligt hatten. Innerhalb des Beobachtungszeitraumes waren von allen Beteiligten 8081 an Dickdarmkrebs erkrankt. Bei der Auswertung der Daten kamen die Wissenschaftler zu einem eindeutigen Ergebnis: Unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren wie etwa dem Genuss von rotem Fleisch oder dem Alkoholkonsum konnten sie keinen Hinweis finden, wonach eine hohe Zufuhr von Ballaststoffen das Risiko für Dickdarmkrebs reduziert. (Quelle: ernährung im fokus 03/06. Zeitschrift für Fach-, Lehr und Beratungskräfte, Hrsg. Aid, Bezug auf Yikyung Park, JAMA,294,22,2849 (2005)

Was bleibt nun von der gebetsmühlenartig immer wieder vorgetragenen Forderung nach höherem Ballaststoffverzehr? Immerhin lässt sich noch argumentieren, dass trotzdem möglichst viele pflanzliche Faserstoffe mit der Nahrung aufgenommen werden sollten, da das die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten anderer Leiden wie etwa Herzkrankheiten und Diabetes verringert (.. wie gesichert ist diese Aussage eigentlich?). Das Ergebnis lässt vermuten, dass dies nicht der einzige Beratungsstandard ist, der auf den Prüfstandard muss, weil ihn die Realität der Forschung überholt hat.


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