„Jeder hat das Recht, sich absolut falsch zu ernähren“ 

Julia Klöckner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesernährungsministerium, beim Neujahrsempfang des BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde), zitiert in der  Lebensmittel Zeitung vom 5. Februar.

Ob sich Frau Klöckner wirklich genau überlegt hat, was sie mit diesem Satz sagt? Im Lichte einer solchen Aussage betrachtet sind z.B. die Ziele eines Nationalen Aktionsplans Ernährung und Bewegung – vor kaum zwei Jahren verabschiedet von ihrem Ministerium – nur noch Makulatur. Frau Klöckner wirft mit diesem Satz aber nicht nur politische Ziele ihres eigenen Hauses über den Haufen. Auch die Gesundheitspolitik dürfte über diese Forderung nicht glücklich sein: Wer das Recht hat, sich absolut falsch zu ernähren, den sollte man logischerweise nicht mit Prävention belästigen. Denkt man die Idee konsequent weiter, dann müsste das Rauchverbot bald wieder fallen. Wem man das Recht auf die absolut falsche Lebensweise einräumt, dem kann man schließlich auch Alkoholmissbrauch bis hin zum Komasaufen kaum verwehren.

Da kann man sogar bezweifeln, ob sich all die über den Satz gefreut haben, denen er wohl besonders gefallen sollte: Unter der Unternehmerelite der Ernährungsindustrie, die auf dem Empfang des BLL versammelt war, dürften nicht wenige von denen gewesen sein, die sich verstärkt darum bemühen, eine richtige Ernährung der Verbraucher mit ihren Produkten nach Kräften zu unterstützen. Für sie war dieser Satz ein Schlag ins Kontor. Bleibt zu hoffen, dass ihn keiner der dort Anwesenden als Aufforderung zur Herstellung von Produkten verstanden hat, die eine “absolut falsche” Ernährung unterstützen.

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