An den Sinn von strikten Alkoholverboten für Jugendliche habe ich noch nie geglaubt. Mein Vater war Winzer. Ich durfte schon mit 12 am „Neuen“ nippen, und er hat mir erklärt, warum der eine besser und der andere schlechter ist, und was man in so einem Glas Wein alles riechen kann. Er hat mir aber auch von Anfang an erklärt, warum Maß halten beim Alkohol wichtig ist – genügend üble Beispiele dafür gab es auch damals schon. Bis heute liebe ich einen guten Schluck Wein, ohne jemals den Blick für’s rechte Maß verloren zu haben (..na ja, war da nicht hie und da mal was in der Studentenzeit? Kleine Jugendsünden, vergeben und vergessen).

Mit meinem Sohn hab ich das genauso gehalten, manchmal schon mit schlechtem Gewissen, wenn mal wieder Schreckliches über jugendliche Komasäufer zu lesen war. Jetzt, wo der Knabe erwachsen wird, bin ich überzeugt von der Richtigkeit meiner Alkohol-Erziehungsstrategie. Darauf hat mich jüngst ein Bericht gebracht, der dieser Tage durch die Medien ging. So berichtete etwa die WELTJugendliche und junge Erwachsene, die in ihren Familien zum Essen eine geringe Menge an alkoholischen Getränken konsumieren dürfen, trinken als Erwachsene seltener bis zum Rausch und werden seltener alkoholkrank als Jugendliche, die zu Hause einem Alkoholverbot unterliegen. Das berichten Forscher um Lee Strunin von der Boston University (US-Staat Massachusetts) im Journal “Addiction, Research and Theory”.

Das Ergebnis stützt Studien, die bereits in den vergangenen Jahren gezeigt hatten: Ein moderater, altersangepasster Alkoholkonsum in der Familie wirkt suchtvorbeugend. Die Welt resümiert mit einem Gedanken, den ich nur unterstützen kann: Toleranz gegen Missbrauch – die US-Studie scheint eine häufig missachtete Weisheit zu reflektieren: Verbotenes lockt, überzogene Verhaltensregeln können das Gegenteil dessen bewirken, was sie bezwecken.