Jedes Jahr hohle ich zu Ostern ein Büchlein heraus, dass sich schon seit 30 Jahren in meiner Bibliothek befindet: „Die nachdenklichen Hühner“ – 131 kurze Geschichten von Luigi Malerba. Ein Osterfest ist bei uns kein Osterfest ohne ein paar von Malerbas tiefgründigen Parabeln. Und natürlich wird auch in diesem Jahr zum Osterfrühstück daraus vorgelesen. Für die Leser des tellerrandblog hier eine meiner Lieblingsgeschichten:

Ein Huhn, dass sich zum Buddhismus bekehrt hatte, erklärte, es suche die Leere, die Abwesenheit der Dinge. Wenn es ihm zu begreifen gelänge, dass ein Fuchs kein Fuchs mehr oder ein Kaninchen kein Kaninchen mehr sei, dann, so behauptete es, werde es den Zustand der Erleuchtung erreicht haben. Bevor es den Zustand der Erleuchtung erreichen konnte, kam eines Tages, während es am Waldrand meditierte, der Fuchs und fraß es auf. Ein Huhn sah die verstreuten Federn, erkannte sie und sagte: „Dieses Huhn ist kein Huhn mehr.

Frohe Ostern wünscht Friedhelm Mühleib allen Lesern und Freunden des tellerrandblog

Quelle: Luigi Malerba, Die nachdenklichen Hühner, Quartheft 132, Verlag Klaus Wagenbach, 2. Auflage, Berlin 1985.

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