Kaum zu glauben: Sie spricht! Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hat eine Stimme. Die gehört Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der BVE, der vor wenigen Tagen seinen Filetspitzen-Blog gestartet hat. „Pointiert, meinungsstark und mit einem Augenzwinkern“ soll der Leser auf Filetspitzen.de alles Wissenswerte über die Kampagnen der NGOs, kritische Artikel der Medien und politische Forderungen erfahren. Das ist spannend, zumal Christoph Minhoff tatsächlich schreiben kann – mit spitzer Feder, und einem scharfen Stil, der Spaß macht. Richtig witzig kann er manchmal sein und zeigt zudem profunde Bildung – Respekt! Da ist einer, der es leid ist, immer nur der Prügelknabe für die gebündelte Industrieschelte zu sein. Der beschlossen hat,  aus der Opferrolle raus zu kommen, statt immer nur die beleidigte Leberwurst zu spielen . Angriff ist die beste Verteidigung, scheint er zu denken und legt in seinen ersten Blogbeiträgen los mit heftiger Kritik an seinen Kritikern. Das ist mutig – und könnte spannend werden, wo doch die Stimme der BVE in Vergangenheit über das Verkünden hölzerner Stellungnahmen in langweiligem Verlautbarungsdeutsch verhallte.

Minhoff scheint es nun rechte Freude zu machen, es seinen Gegnern mal so richtig zu zeigen. Da lästert er z.B. über die Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg an überteuerter Schokolade in Adventskalendern: „Ohne Umverpackung heißt ein Adventskalender „Schokolade“! Man könnte dann die Süßigkeiten so an die Wand nageln! 24 Stück.“ Wie wahr – ich hol schon mal den Hammer raus. Er freut sich so an seinem Scherz, dass ihm die Idee entgeht, nicht die Schokolade, sondern das billige Plastikteil und der hässlich bedruckte Karton könnten maßlos überteuert sein. So betrachtet wird daraus für Verbraucher schon ein kritischer Schuh.

Minhoff hofft auf einen „interessanten Meinungsaustausch“, zudem will er die Plattform mit dem Motto „Wissen macht Appetit“ zur Aufklärung über relevante Branchenthemen nutzen. Eigentlich ist echter Dialog zwischen der Lebensmittelbranche und ihren Kritikern genau das, was fehlt – verbunden mit Handlungs- und Veränderungsbereitschaft dort, wo es not tut. Ob Minhoff diesen Dialog fördern kann, wenn er in seinem Blog nachhaltig zum Angriff gegen Medien und Verbraucherschützer bläst, ist zu bezweifeln. Mehr Aufklärung statt Gegenangriff wäre da vielleicht für seine Branche nützlicher. Die kann sich ja überall dort zu Wort melden, wo Angreifer unfairer Attacken zu überführen sind – und könnte ansonsten zeigen: Wo kritik berechtigt ist, da tun wir was! Vielleicht wäre das die bessere Strategie. Wie auch immer – ich freue mich auf mehr Lesestoff von Minhoff.

 

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