„Die Deutschen essen immer weniger Fleisch“. Diese Behauptung  gehört nicht nur beim SPIEGEL  zu den beliebtesten Headlines, wenn es in den Medien mal wieder um Ernährung geht. Stimmt das? Man trifft schließlich immer häufiger auf Menschen, die felsenfest  der Meinung sind, dass der Fleischverbrauch neue Tiefststände erreiche und die öffentliche Kritik am zu hohen Fleischverzehr offensichtlich doch übertrieben sei. Tatsächlich ist das ein Irrtum, denn der Fleischverzehr ist 2019 knapp unter der Menge angekommen, auf die er bereits 2005 schon mal gesunken war. Bei einem statistischen Gesamtverbrauch von sage und schreibe 59,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr, wobei zwischenzeitlich Spitzen im Bereich von 62,8 (2011) und 61,1 kg (2014, 2015 und 2018) erreicht wurden.

 

 

Das sind die Zahlen auf Basis der amtlichen Verbrauchsstatistiken nach Angaben auf statista.com.  Seit zwanzig Jahren schwankt der Verbrauch zwischen 1,5% und 2%, mal wird etwas mehr Fleisch und mal etwas weniger gegessen. Aus solchen marginalen Veränderungen lässt sich nun wirklich kein echter Trend erkennen. Sieht also nicht danach aus, als würden die Menschen ganz von selbst zur Vernunft kommen – ein Schluß, der von vielen aus der Lektüre des neuen Ernährungsreport, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Leitung von Julia Klöckner, gezogen wird. Beim Ernährungsreport handelt es sich allerdings um eine Verbraucherbefragung, die persönliche Meinungsäußerungen erfasst und keine genauen Verbrauchsmengen erhebt. Im Wissenschaftlerlatein ausgedrück: Die Studie ermittelt qualitative und keine quantitativen Ergebnisse. Zu diesen qualitativen Ergebnissen des Reports ggehört, dass ‚nur‘ noch 26 Prozent Befragten – und damit 8% weniger als 2015 –  laut eigener Aussage täglich Wurst oder Fleisch verzehren.  Daraus die Feststellung abzuleiten, dass die Deutschen weniger Fleisch essen als noch vor fünf Jahren, ist blanker Unsinn und zudem Irreführung.  Wenn ein Befragter (laut eigener Aussage) angibt, weniger Fleisch zu essen, ist dies immer nur eine persönliche Schätzung, die mit Sicherheit von der Menge abweichen wird (unter Umständen sogar erheblich), die er tatsächlich verzehrt. Eine solche Aussage ist nicht mehr wert, als wenn ein 60-Jähriger angibt, mehr Sex als vor 20 Jahren zu haben.

Und was bleibt beim Fleischthema von solchen falschen Interpretationen bei den Verbrauchern hängen: „Alles Bestens – wir essen doch schon viel weniger Fleisch.“  Was leider falsch ist. Was aber tun? Etwa auf den Genuss von Fleisch verzichten? Darf man jetzt nicht mal mehr ab und zu ein schönes Steak genießen. Darf man natürlich – keine Frage. Die Prämisse sollte allerdings sein: Fleisch – die Hälfte reicht. Dies Devise gilt in unserer Küche schon lange.  Funktioniert prima. Unsere Erfahrung dabei ist: Der Genuss ist umso größer, je kleiner das Stück Fleisch – und nach dem letzten Bissen ist nichts zu vermissen..

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