Es soll inzwischen jede Menge Leute geben, die nicht mehr wegen der Möbel, sondern wegen des guten und billigen Essens zu Ikea pilgern. Dort rührt man mit der bekannten Vertraulichkeit die Werbetrommel für das „Essen bei Ikea“: „Im Restaurant bekommst du schwedische und lokale Spezialitäten zu fantastischen Preisen. Aber auch ein “Hot Dog” in unserem Bistro ist stets ein willkommener und leckerer Snack. Mit leerem Magen kauft es sich schlecht ein. Komme mit deiner ganze Familie und verbringe eine angenehme Zeit im IKEA Restaurant.“ Und tatsächlich – alle kommen. Inzwischen so viele, dass sich das Mö­belhaus zu einem der größten deutschen Gastro-Un­ternehmen entwickelt hat. Mit einem Umsatz von 143 Millionen Euro in 36 Häusern liegen die Schweden mittlerweile auf Rang neun im Ranking der bundesdeutschen Systemgastronomie – und zwar mit einem Angebot, das teure Gerichte überhaupt nicht kennt.

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Ob das, was dort auf den Teller kommt, den vollmundigen Versprechungen standhält, hat nun einer getestet, der wirklich etwas von gutem Geschmack versteht: Jürgen Dollase, Foodjournalist, Hobbykoch und Autor toller Bücher zum Thema Geschmack (empfehlenswert: Geschmacksschule, Tre Torri, November 2005 , ISBN 3937963200). In seiner Kolumne „Hier spricht der Gast“ in der Frankfurter allgemeinen Sonntagszeitung hat er sich nun das IKEA-Restaurant vorgeknöpft – und kommt dabei zu einer überraschend positiven Bewertung. Hier einige Auszüge:

Schon die Vorspeise “Gravad Lax” hat ihm wohl gut gemundet: „Die drei Scheiben Lachs mit dem charakteristischen Kräuter-Rand sind von sehr an­nehmbarer Qualität und schmelzen nahezu im Mund. Den brau­nen Rand hätte man allerdings et­was sauberer zuschneiden können. … Die leicht süß-saure Senfsau­ce von guter Ausgewogenheit sorgt für das bekannte skandinavische Geschmacksbild. Unschlagbar gün­stig der Preis: Mit 3,90 Euro bewegt er sich. im Umfeld durch­schnittlichster Imbissstuben-Verpflegung – und dennoch wird dafür ein ordentliches Gericht angeboten.“

Auch der Salat mit Hühner­brust (2,90 Euro) besteht vor dem kritischen Urteil des Gourmets: „Auch er (der Salat) gehört zumin­dest ansatzweise in die Abtei­lung “einfach, aber o.k.”, weil einmal nicht die üblichen Salat­sorten verwendet werden, son­dern einige Kräuter, Blattsala­te, Ofentomaten und etwas zu klein geschnittenes, aber gut schmeckendes Hühnerfleisch: durchaus annehmbar.“

Am besten gefällt der “Örtlax”: „Eine Tranche Lachs mit Kräutern, einer milden Schnittlauchsauce, Salzkartoffeln und mariniertem Gemüse. Der Lachs ist von über­raschend sauberer Qualität, aller­dings völlig durchgegart. Das wird in der gehobenen Gastronomie seit längerer Zeit schon nicht mehr gemacht. Die Gemüse allerdings sind nicht wirklich mariniert, son­dern einfach matschig geschmort. Ihre Mischung passt nicht recht zum Lachs, so dass dessen guter Ein­druck im Zusammenhang leidet.“

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Auch die “Köttbullar” ge­nannten Hackfleischbällchen mit einer “Rahmsauce”, Salzkartoffeln und Preiselbeer­konfitüre ( 5 Euro) bestehen vor dem Urteil des Kritikers: „Das Fleisch ist nicht schlecht, und das ganze Gericht liegt aroma­tisch irgendwo zwischen nor­malen Hackfleischbällchen und Königsberger Klopsen. Die süß-saure ­Kombination mit den Preisel­beeren fällt dank einer zurückhal­tenden Süße angenehm aus. Die Qualität kann man unproblema­tisch-bürgerlich nennen.“

Schlechter kommt das “Pyttipanna” weg, eine Art Ra­gout aus diversen Gemüsen, Hühnerfleisch und Kartoffeln für 2,80 Euro („ Alles wirkt unfrisch wie eine Resteverwertung vom Vortag). Auch für den vegetarischen Teller des Monats, bei dem Schupfnudeln mit kleinen Ge­müsestückchen vermischt und mit einem großen Klacks Creme fraiche serviert werden, konnte sich Herr Dollase nicht so recht begeistern („deutlich zu lange warm ­gehalten, was jede Frische austreibt“).

Das Gesamturteil des Feinschmecker-Gurus dürfte IKEA durchaus freuen: „Ins­gesamt nimmt man den Eindruck eines Konzepts von äußerst kundenfreundlichen Preisen mit, die bei den besseren Gerichten für ein fast unschlagbares Preis-Leistungs-Ver­hältnis sorgen. Im Detail wäre eine ausgeprägtere Qualitätskontrolle wünschenswert. Vorstellbar wären weiterhin einige intelligente Verän­derungen am Konzept – vor allem, um diesem oder jenem Angebot ein wenig mehr Frische zu verleihen.“

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Wer hätte das gedacht, wo doch böse Zungen schon mal unken, beim Essen stecke wie bei manchen Möbeln hinter modischem Schein eher minderwertige Substanz. Als dann nichts wie hin zu IKEA – und wohl bekomms.

 

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