Eigentlich müsste die Lebensmittelindustrie Thilo Bode klonen, den Klon einer Gehirnwäsche unterziehen und ihn zum Chef der Inititative „Die Lebensmittelwirtschaft“ machen“. Hier die Gründe: Vor einer Woche gab es die große Foodwatch-Klatsche in der WamS. Vorgestern erscheint dort ein ganzseitiges Interview, in dem sich Foodwatch-Chef Thilo Bode dazu erklären darf. Er tut das, indem er die Kritik durch den geschickten Gegenangriff ins Leere laufen lässt. Respekt – das nenn ich professionelle PR! Kritik als Chance nutzen, um sich eine Plattform für die positive Darstellung der eigenen Sache zu erstreiten. Von dieser Strategie könnte sich die Lebensmittelwirtschaft eine Scheibe abschneiden. Musste Bode den Auftritt erstreiten? Davon ist auszugehen – erstreiten durch wie auch immer geartetes, geschicktes Agieren hinter den Kulissen. Von sich aus und aus reiner Freundlichkeit hat die eher wirtschaftsnahe WamS dem Kritiker der Lebensmittelindustrie die Selbstdarstellungsfläche sicher nicht geschenkt. Foodwatch braucht Öffentlichkeit. Die WamS-Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Foodwatch systematisch und konsequent jede Möglichkeit zum medialen Auftritt nutzt.

Zum gleichen Zeitpunkt präsentiert sich der Bundesverband der Ernährungsindustrie kopflos, weil sich kein Nachfolger für den bisherigen Präsidenten Jürgen Abraham findet. Parallel dazu schnarcht die vor einem halben Jahr neu gegründete Initiative „Die Lebensmittelwirtschaft“, mit der die Ernährungsbranche ihr beschädigtes Image aufpäppeln wollte, in der Bedeutungslosigkeit vor sich hin. Wenn der Verein im Kopf so durcheinander ist wie die Optik seines Logos (..das eigentlich die CI des Clubs transportieren müsste), dann kann es um die Initiative nicht gut bestellt sein. Dabei gäbe es – trotz Kritikern wie Foodwatch – aus der Lebensmittelwirtschaft so viele positive Geschichten zu erzählen. Der Grundkurs über Storytelling als Mittel zur Imagebildung gehört wohl – neben einigen anderen Kursen – zu den Veranstaltungen, die die gesamte PR-Brigade der Branche komplett verschlafen hat.

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