In der vergangenen Woche haben Vertreter der Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), des Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM) und des BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE) am Rande des Kongresses Ernährung 2018 in Kassel eine gemeinsame Erklärung zur Verbesserung der ernährungsmedizinischen und ernährungstherapeutischen Versorgung in Deutschland unterzeichnet.

 

Gemeinsam für die Ernährungstherapie: (von l.) Prof. med. Johannes G. Wechsler (BDEM), Dipl. oec. troph. Ingrid Acker (VDOE), Prof. med. Christian Löser (DGEM), Dipl. oec. troph. Kerstin Wriedt (VDOE), Prof. med. Johann Ockenga (DGEM) mit der frisch unterzeichneten Kasseler Erklärung. Foto © Augustin / VDOE

 

Das hat aber nun lange gedauert, bis man sich zu einer solchen Erklärung durchgerungen hat! Im Grunde kommt sie mindestens 20 Jahre zu spät. Aber besser spät, als nie. In der Erklärung werden die großen Problemfelder mit drängendem Handlungsbedarf klar benannt: Übergewicht, Mangelernährung, Ernährung und Krebs. Das ist richtig und wichtig. Eher bescheiden nimmt sich angesichts der Dimension der Probleme der Einstieg in den Kampf für die Umsetzung der Forderungen an: „Um die partnerschaftliche, multidisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaft/Oecotrophologie und anverwandten Disziplinen im Sinne einer optimalen Versorgung für Patienten in Zukunft weiter zu entwickeln, wird eine Steuerungsgruppe aus Delegierten von DGEM, VDOE, BDEM sowie VDD (Verband der Diätassistenten) eingesetzt, deren Aufgabe es sein wird, die in dieser Erklärung beschriebenen Themengebiete und Forderungen weiter zu konkretisieren und spezifizieren“, so der verheißungsvolle Ausblick im Originaltext der Erklärung.

Bravo! Hört sich nach einer Erfüllung des Plansolls nicht vor dem Jahr 2100 an. Und erinnert irgendwie auch an die alte Empfehlung zum Umgang mit Utopien: Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man `nen Arbeitskreis. Man darf gespannt sein, wer da nun wann, wie und wohin mit welchen Steuermännern und -frauen segelt (..darüber wird in der Erklärung noch kein Wort verloren). Tellerrandblog wünscht „Schiff ahoi“ und viel Erfolg dabei! Man könnte auch etwas weniger ironisch formulieren: Leute, gebt endlich Gas! Was Ihr da wollt, ist wichtig, braucht aber mehr als eine Steuerungsgruppe. Es braucht „volle Kraft voraus“!

ZUR INFO:

Die drei zentralenForderungen von DGEM, VDOE und BDEM in der Kasseler Erklärung

  1. Ernährungsmedizin, Ernährungsberatung und betreuung müssen in der Ausbildung, in Klinik und Praxis fest etabliert werden
  2. Ernährungstherapie muss zur definierten Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen werden, die damit auch eine wichtige Präventionsaufgabe realisiert
  3. Die Politik muss Leistungserbringern, Verbraucherschutz und Patientenvertretern die Möglichkeit bieten, gemeinsam den Rahmen für eine integrierte qualitätsgesicherte Ernährungsversorgung zu definieren. Hierin ist die qualitätsgesicherte Ernährungstherapie als ein strukturelles Therapieinstrument gegeben. Hieraus müssen gesetzliche Strukturen geschaffen werden, die eine sektorenübergreifende und interdisziplinäre Umsetzung der entwickelten Rahmenbedingungen gewährleistet.

 

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