„Der Bio-Markt boomt“ – so oder ähnlich ist es derzeit in den Schlagzeilen anlässlich der Biofach in Nürnberg zu lesen. Die Bio-Branche feiert dort wieder einmal sich selbst und ihre neuen Rekorde – z. B. den neuen Messerekord mit mehr als 3200 Ausstellern. Überhaupt, die Zahlen: Die Szene befindet sich im Umsatzrausch. Der steigt in Höhen, in denen manchem schon schwindelig wird. So wuchs der Umsatz von Bio-Produkten im Jahr 2017 nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) um knapp sechs Prozent und hat damit erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze übersprungen. Am gesamten Lebensmittelmarkt macht der Anteil der Bio-Produkte aber trotzdem nicht mehr als magere 5,1 Prozent aus. Die Wahrheit hinter der Mär vom großen Boom lautet also: Bio ist immer noch Nische.

 

Man darf sich nicht täuschen lassen: Datiert man den Beginn des Bio-Booms auf Mitte der siebziger Jahre, so hat es die Branche in gut 40 Jahren auf gerade einmal den aktuellen Anteil von 5% geschafft. Bei all dem konstanten medialen Hype um das Thema während dieser Zeit, begleitet von zahllosen öffentlichen Bekenntnissen von Verbrauchern zu Bio-Produkten, ist das verdammt wenig. Auch der Blick in die Zukunft stimmt wenig euphorisch. Nimmt man mit viel Optimismus an, dass das Angebot an Bio-Lebensmitteln Jahr für Jahr stetig um weitere sechs bis acht Prozent steigt, würde es immer noch mindestens 10 Jahre dauern, bis der Anteil der Bio-Ware am Gesamtmarkt endlich (immer noch magere) 10 Prozent erreicht.

 

Der große Sprung nach vorne ist also nicht in Sicht. Einer der wesentlichen Gründe dafür, dass Bio immer noch in der Nische hängt, sind die höheren Preise der Produkte. Dass die auf das Niveau konventionell erzeugter Lebensmittel sinken, ist illusorisch. Denn verantwortlich für die höheren Preise sind neben generell höheren Produktionskosten zum großen Teil strukturelle Gründe. Der Bio-Landbau wird nach wie vor weitgehend von kleinen und mittleren Betrieben getragen – und so wird es auch bleiben. Dass die Kosten umso höher sind, je kleiner ein Betrieb ist, gehört zu den Grundregeln der Betriebswirtschaft. Andererseits sind Bio-Produkte aus industrieähnlicher Großproduktion wie etwa aus Massentierhaltung ein Widerspruch in sich: An der Struktur der Betriebe in der Bio-Landwirtschaft wird sich also grundlegend nichts ändern. Hinzu kommen wankelmütige Verbraucher. Die Lippenbekenntnisse, den höheren Preis für die teureren Bioprodukten gerne zu zahlen, sind Legion. Das tatsächliche Einkaufsverhalten der Menschen sieht anders aus: Wenn der Blick in den Geldbeutel Ebbe offenbart, bleibt Bio links liegen. Der niedrige Preis bleibt bei den Einkaufskriterien noch viel zu oft Sieger.

 

Eine mögliche Lösung wären mehr Förderung und staatliche Subventionen. Ein Bruchteil dessen, was die konventionelle Landwirtschaft über Jahrzehnte erhalten hat, würde schon reichen. Immerhin: Christian Schmidt, Landwirtschaftsminister auf Abruf, hat zur Eröffnung der Biofach erklärt, die bäuerliche Bio-Landwirtschaft solle auch künftig im politischen Fokus stehen: „Wir werden Projekte zur regionalen Wertschöpfung und Vermarktung fördern, damit insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen vom wachsenden Markt profitieren.“ Wenn das mal kein Trost ist (..wir lieben vollmundige Absichtserklärungen von Verantwortungsträgern, deren Versprechen schon morgen nicht mehr gelten)!

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