Vor wenigen Tagen ist wieder einmal die älteste Frau der Welt gestorben. Dieses Mal traf es Emma Morano, die im gesegneten Alter von 117 Jahren in Pallanza am Lago Maggiore friedlich entschlafen ist. Wie alle ältesten Männer und Frauen dieser Welt, wurde auch Emma Morano spätestens seit ihrer Ernennung zur weltältesten Frau beständig die Frage aller Fragen gestellt: „Was ist das Geheimnis Ihres Alters?“ Emma Morano antwortete stets darauf: „Ich esse drei Eier pro Tag – zwei rohe und ein gekochtes, und ich liebe Gebäck und trinke etwas selbstgebrannten Grappa“. Man muss kein Ernährungswissenschaftler sein, um zu begreifen: Emma hat dieses biblische Alter nicht wegen, sondern trotz ihrer speziellen Vorlieben erreicht. Das Geheimnis liegt darin, wie es möglich war, die 100.000 Eier seit Beginn Ihrer Diät im Jahr 1918 (…ein Arzt hatte der damals 20-Jährigen wegen Blutarmut zum Verzehr von drei Eiern täglich geraten) so unbeschadet zu überleben. Die einfache Antwort: Wenn die Gene mitspielen, hält der Mensch Unglaubliches aus. So dürfte es nur noch ein paar Jahre dauern, bis der dann älteste Mensch zum großen Verdruss aller Gesundheitsapostel bekennen wird, das Geheimnis seines langen Lebens  seien zwei Cheeseburger und eine Cola täglich gewesen.

Was lernen wir von Emma Morano? Zum einen stellen wir erleichtert fest, dass – wer uralt werden will – nicht unbedingt  für den Rest seiner Tage rohe Eier und Kekse mit Grappa hinunterspülen muss. Stattdessen dürfen wir das Selbstvertrauen daraus schöpfen, dass man die eine oder andere eigene Ernährungssünde über Jahrzehnte hinweg überleben kann. Der Weg in den Club der Ältesten dürfte allerdings weder allein über die gesunde Ernährung – was auch immer das sein mag – führen, noch dürfte er ausschließlich in den Genen liegen. Emmas Arzt soll gesagt haben: „Es war auch die Liebe ihrer Familie, die sie so lange durchs Leben trug. Sich geliebt zu fühlen, ist das Rezept für ein langes Leben.“ Ohne Liebe und Glück nutzen tatsächlich weder Ernährung noch Gene. Wäre dann ja auch ziemlich sinnlos, so ein ewiges trauriges gesundes Leben.

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