Für überzeugte Vorkämpfer und Verfechter einer Low-Carb Ernährung – stellvertretend sei hier Nicolai Worm genannt – war der gestrige Tag wohl mit einem Moment der späten Genugtuung verbunden: Kein Geringerer als Prof. Dr. med. Hans Hauner (Foto) – einer der Wortführer der konventionellen Ernährungsmedizin, Koryphäe der Adipositas-Forschung und (bislang) hartnäckiger Verfechter der DGE-Ernährungsempfehlungen – hat die Low Carb Ernährung mit einem Zugeständnis geadelt, das aus seinem Munde fast revolutionär klingt:

Low Carb-Diäten implizierten, so Hauner, eine kohlenhydratarme Kost, und das sei aus Expertensicht empfehlenswert: „Eine Senkung des Kohlenhydratanteils auf 30 bis 40 Prozent der Gesamtenergieaufnahme bei gleichzeitiger Erhöhung des Fett- und Proteinverzehrs schneidet in Einzelaspekten besser ab als die klassischen fettarmen, kohlenhydratreichen Ernährungsformen“, so Hauner. Personen mit Diabetes Typ 2 könnten von einer Low Carb-Ernährung besonders profitieren. Hauner hat das gestern auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in Berlin gesagt. Angesichts einer erdrückenden Studienlage, die für eine Ernährung in Richtung Low-Carb spricht, bröckelt die Phalanx der Gegner. Wenn es bisher darum ging, die DGE-Richtlinien mit ihrem Richtwert für die Kohlenhydratzufuhr von mindestens 50 % zu verteidigen, war Hauner immer ein unnachgiebiger Hardliner, der schon mal öffentliche Diskussionen mit Andersdenkenden wie Worm mit dem Hinweis auf die fehlende wissenschaftliche Qualifikation verweigerte. Das scheint sich nun langsam zu ändern. Spät genug – denn die Zeit für Korrekturen ist reif. Ein Grund zum großen Frohlocken ist Hauners Verwandlung allerdings noch nicht: Denn leider macht eine Schwalbe noch keinen Sommer.

Quelle: Pressestelle der DGIM, Pressemeldung, E-Mail vom 10. Februar

Foto: KErn – Kompetenzzentrum für Ernährung (an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft)

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